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Kämpfen oder kooperieren? Google DeepMind erforscht die Interaktion von KI

WIRED Staff 10.02.2017

Wie verhalten sich Computersysteme in Konkurrenzsituationen? Würden Sie kämpfen oder kooperieren? KI-Analysten des Forschungsunternehmens Google DeepMind haben Agenten mit Künstlicher Intelligenz in verschiedenen Spielsituationen getestet, um zu erörtern, wie sich die Interaktion bei Aktionen wie Ressourcensammeln oder Jagd gestaltet.

In zwei verschiedenen Szenarien wurden den KIs Aufträge erteilt, die sie allein, aggressiv oder in Zusammenarbeit erledigen konnten. Das Spiel „Gathering“ hatte zur Aufgabe, so viele Ressourcen wie möglich zu sammeln; in diesem Fall Äpfel. Dabei konnten die KI-Spieler auf zweierlei Art vorgehen: Entweder friedlich nebeneinander sammeln oder den Gegner mit einem Laser beschießen. Wurde dieser getroffen, war er für eine Weile aus dem Spiel entfernt und der Aggressor konnte alleine mit dem Sammeln fortfahren.

Die Reaktion der KI-Agenten in „Gathering“ ist nach dem Forschungsbericht mit menschlichem Verhalten vergleichbar: Waren genügend Ressourcen vorhanden, sammelten beide Spieler friedlich nebeneinander ihre Ressourcen ein. Die aufwendigere Methode der Aggression ist bei einer ausreichenden Ressourcenverfügbarkeit schlicht nicht notwendig, beschreiben die Forscher den Lernprozess der KI. Sobald die Ressourcen aber knapp wurden, kam es zu aggressivem Verhalten — zum Ressourcenkrieg, in dem sich beschossen wurde. Interessant wurde es weiterhin, als eine leistungsstärkere KI der Spielsituation ausgesetzt wurde. Diese war zu komplexeren Strategien fähig und beschoss den Gegner auch bei noch genügend Ressourcen schon nach kürzester Zeit — der digitale Präventivschlag.

Beim zweiten Spiel „Wolfpack“ jagten zwei KIs als Wölfe einer digitalen Beute durch einen Hindernisparcours hinterher. Hierbei waren die Vorgaben der Entwickler, dass die Beute von der KI als bedrohlich empfunden wurde, von daher sollte die Möglichkeit zur Kooperation mit dem anderen Wolf durch ein gemeinsames Ziel gegeben sein. Wie bei „Gathering“ lernten die KI-Spieler in den Durchläufen dazu: Die Kooperation führte hier eher zum Erfolg, als wenn jeder für sich versuchte, die Beute zu fangen. Auch waren die komplexeren KI-Systeme eher in der Lage, den Vorteil der Zusammenarbeit zu errechnen; diese fand hier also schneller statt.

Das Ergebnis im Forschungsbericht fasst sich so zusammen: Abhängig vom Kontext der Spielsituation neigen KI-Systeme immer zu dem Verhalten, das den größtmöglichen Erfolg verspricht. Aggression und Kooperation sind gesteuert von der Erfahrung über die Spielverläufe. Die Studie ermögliche den Forschern nun, das Verhalten von Multi-Agenten-System zur Steuerung von Alltagssituation wie Verkehrsüberwachung oder Wirtschaftsabläufen besser einzuschätzen und präzisere Programme zum Einsatz solcher Systeme zu entwickeln.

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