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Jaguars E-Auto kommt 2018 – und wir sind jetzt schon damit gefahren

Jack Stewart 07.12.2017 Lesezeit 4 Min

Jaguar baut sein erstes Elektroauto. Im kommenden Jahr soll der I-Pace erscheinen. Mit seiner beeindruckenden Technik fordert er Tesla und BMW heraus. WIRED war beim Test dabei.

Seit einiger Zeit arbeitet man bei Jaguar intensiv daran, die exklusiven Autos für eine deutlich breitere Käuferschicht als bisher attraktiv zu machen. Das Unternehmen will sein Altherren-Limousinen-Image aus den 60ern loswerden und zu einem modernen Autohersteller werden. Zugegeben, mit dem E-Type hatte Jaguar in den 60ern schon mal ein Auto am Markt, das den Titel „sexiest car ever“ verdiente. Aber dann geschah Jahrzehnte praktisch nichts weiter in der Richtung. Bis Jaguar dazu ansetzte, mit Mercedes und BMW konkurrieren zu können. Die Folge: neue Top-Modelle wie der XF und die F-Type-Sportwagen. Das Unternehmen übertrug das Designprinzip seiner Standardmodelle auf die XE-Sportlimousine und den F-Pace SUV, der zum Jaguar wurde, der sich am schnellsten je verkaufte.

Nun will es Jaguar gar mit Tesla und eigentlich gleich dem gesamten Elektro-Automarkt aufnehmen. Mit dem I-Pace. WIRED hat sich den E-Wagen mal ganz genau angesehen: Von meinem Beifahrersitz aus sehe ich einem der Jaguar-Ingenieure am Steuer zu, wie er an allen anderen noblen Autos an den Kreuzungen in Kalifornien vorbeifährt. Jaguar testet den I-Pace, seinen ersten Elektro-SUV. Statt das Auto mit seiner normalen Lackierung auf die Straße zu lassen, haben die Entwickler das Testfahrzeug allerdings mit einer farblich recht lauten Tarnfolie bedeckt, wodurch wir noch mehr auffallen. Das Konzeptauto des I-Pace wurde vor einem Jahr auf der L.A. Auto Show vorgestellt, wo es für sein markantes und schlankes Design gelobt wurde. Heute, kurz bevor das Serienfahrzeug in die Produktion geht, wird das Fahrzeuge noch einmal im Straßenverkehr getestet. Jaguar erlaubt nur Unternehmensangehörigen, das Auto zu fahren, also führt Simon Patel (Senior Powertrain Program Manager) vor, was das Fahrzeug leistet.

Dass Jaguar sein Fahrzeug in L.A. testet, liegt daran, dass solche öffentlichen Tests hier werbewirksamer sind. Andererseits ist Los Angeles natürlich schon auch die ideale Stadt für Autotests. Der starke Verkehr, die heißen Witterungsverhältnisse und die rauen Straßen geben den Ingenieuren die Möglichkeit, Softwareeinstellungen für die Federung zu verbessern. Die Entwickler nennen das NVH – Noise (Lärm), Vibration (Vibration) und Harshness (Härte). Die Thermo-Management-Systeme müssen ebenfalls getestet werden, um sowohl den Akku als auch die Fahrzeuginsassen zu kühlen und gleichzeitig die größtmögliche Reichweite des Akkus zu gewährleisten.

„Wir haben Autos, die in heißen Städten wie Dubai gefahren werden, um die Wärmeeinwirkungen auf das Auto zu messen und im Gegenzug auch in Russland und Schweden, um tiefe Temperaturen sowie Schnee und Eis als Einfluss zu haben“, sagt Patel. Lithium-Ionen-Akkus arbeiten am zuverlässigsten bei 23 bis 37 Grad, aber die maximale Leistung zeigt sich bei einer höheren Temperatur ab etwa 45 Grad. Langfristig kann das die Lebensdauer des Akkus zwar verschlechtern, aber daran arbeiten die Entwickler, um diesen Faktor auszugleichen.

Leider verlangt der heutige Test, dass die Klimaanlage abgeschaltet wird. Darum wird es im Innern des Autos schnell sehr schwül. Aber Platz hat man trotz der kompakten Außenmaße sowohl vorne als auch hinten genug. Da das Auto keinen großen Motor, keinen Auspuff oder Kraftstofftank hat, konnten die Designer von Jaguar den nutzbaren Raum vergrößern.

Das Armaturenbrett ist nach wie vor mit schwerem schwarzen Filz verkleidet, um das endgültige Innendesign so effektiv zu verbergen, wie die Plastikumhüllung das Außendesign verbirgt. Aber ganz sicher sorgen später schlanke Touchscreens in der Mittelkonsole dafür, Temperatur und Musik zu kontrollieren.

Um mit Teslas Model X und Audis künftigen E-Tron Quattro Elektro-SUVs konkurrieren zu können, hat Jaguar gut aufgerüstet: Über zwei Elektromotoren kann der I-Pace auf rund 400 PS zugreifen und schafft es in etwa vier Sekunden von null auf 100 km/h. Das reicht aus, um meinen Kopf gegen die Kopfstütze zu pressen und in meinem Magen kribbelt es jedes Mal, wenn Patel seinen Fuß aufs Pedal drückt. Die Ladung der Akkus reicht für über 150 Kilometer. Die Preise des I-Pace dürften auch im oberen Segment liegen. Jaguar will sich im Moment nicht dazu äußern.

Gebaut wird das Auto in Graz in Österreich. Laut Bloomberg gibt es bereits 25.000 Vorbestellungen für den I-Pace. Im Jahr 2016 verkaufte das Unternehmen weltweit 150.000 Fahrzeuge, etwa 77 Prozent mehr als im Jahr davor. Wenn der I-Pace das hält, was er verspricht, könnte das Unternehmen von der wachsenden Nachfrage nach SUVs und Elektroautos profitieren.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.com.