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Ist eine 314-Dollar-Krawatte aus dem Labor die Zukunft der Mode?

Elisabeth Oberndorfer 13.03.2017

Technologie wird in den kommenden Jahren auch die Bekleidung verändern. Wie das aussehen wird, zeigen Unternehmen und Erfinder bei der SXSW in Austin, Texas: nicht nur smarter, sondern auch nachhaltiger. 

Vor 13 Jahren entschloss sich Dan Widmaier, auf die Suche nach einem neuen Material zur Herstellung von Kleidung zu gehen. „Bei Textilien ist in den vergangenen 50 Jahren kaum Innovation passiert. Wir verändern zwar Autos und machen sie nachhaltiger, aber bei Bekleidung ändern wir nichts“, kritisiert der Biochemiker die Modeindustrie. Vor sieben Jahren wurde daraus sein Startup Bolt Threads, das auf der Interactive-Konferenz SXSW in Austin am Wochenende sein erstes Produkt vorgestellt hat: eine Krawatte aus synthetischer Spinnenseide. Von dem Accessoires verkauft Bolt Threads vorerst nur 50 Stück für jeweils 314,15 Dollar.

Auf der Suche nach einer leistungsstarken Textilfaser, die nachhaltig produziert werden kann, stieß Widmaier mit seinem Team auf Spinnenseide. „Als wir angefangen haben, war unser Büro voll von Spinnen. Heute wissen wir, wie wir die Faser künstlich produzieren können.“  Die Basis der künstlich erzeugten Spinnenseide ist Hefe, die mit Genen angereichert und zu Protein gewandelt wird. Durch einen Fermentierungsprozess produziert Bolt Thread große Mengen des Proteins und spinnt es zu Fasern, erklärt der CEO den Vorgang.

„Im Labor können wir mehr schaffen, als der Spinne möglich ist“, sagt Widmaier über das Potenzial seiner Technologie. Jetzt, wo das Startup eine effiziente Herstellungsmethode gefunden hat, will Bolt Thread die Faser weiterentwickeln. So könne man die synthetische Spinnenseide zum Beispiel wasserabweisend und undurchlässig für UV-Strahlen machen. Bolt Threads bezeichnet die Faser als nachhaltig, da für den Prozess eigenen Angaben zufolge nur natürliche Stoffe eingesetzt werden.

Die Krawatte versteht Gründer Widmaier als Vorzeigeprojekt: „Wir sind im Silicon Valley, da trägt niemand Krawatten.“ Weitere Produkte seien bereits in Planung, mehr verrät der Geschäftsführer noch nicht. Mit 314,15 Dollar hat Bolt Threads die limitierte Krawatte bewusst hoch angesetzt. Für den Markteintritt kann sich das Biotech-Startup sowohl Kooperationen mit Premiummarken vorstellen, Widmaier will mit der neuen Textilfaser aber auch die Massen erreichen: „Wir können dafür einen vernünftigen Preispunkt erzielen.“ 

Smarte Jeans-Jacke von Google
Zu einem ähnlichen Preis, 350 Dollar, kommt im Herbst eine vernetzte Jeans-Jacke von Levi’s auf den Markt. Die Commuter x Jacquard ist eine Kooperation mit Googles Forschungsabteilung ATAP, Entwicklungsleiter Ivan Poupyrev stellte das smarte Kleidungsstück ebenfalls am Wochenende auf der SXSW vor. Die Jacke verbindet sich via Bluetooth mit dem Smartphone, der Träger kann daraufhin durch Berühren des Ärmels einige Funktionen steuern.

Weil Levi’s mit der Commuter in erster Linie Radfahrer ansprechen will, lässt sich zum Beispiel die Lautstärke regeln und die Uhrzeit als Sprachausgabe abrufen. Laut Poupyrev wird es für die Jeans-Jacke eine API geben, damit Entwickler weitere Anwendungsfälle einbringen können. Die Technologie hinter dem vernetzten Kleidungsstück heißt Jacquard, elektrisch leitendes Garn machen den Stoff zum tragbaren Gadget.

Geht es nach Corbin Chase, liegt die Zukunft der Mode nicht im Labor. Der Creative Director von Queen of Raw, einem Anbieter von Textilmaterialien für kleine Modelabels, wettet stattdessen auf den 3D-Druck: „Was wir uns vorstellen ist ein Katalog mit Entwürfen, aus denen jeder seine Lieblingsteile auswählen kann. Im 3D-Drucker können diese dann gleich zu Hause erstellt werden.“ Es werde allerdings noch einige Jahre dauern, bis 3D-gedruckte Textilien alltagstauglich sind, beschwichtigt der Kreativchef von Queen of Raw seine Prognosen. Noch weiter entfernt ist Chase’ zweite Idee: „Ein Textilstoff, der sich zu einem Kleidungsstück formen lässt, und nach dem Tragen wieder ausgerollt und weiter einsatzfähig ist.“ Eine solche Technologie wäre vor allem bei Reisen praktisch, so Chase.

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