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High Frame Rate: Hollywoods nächster Kino-Trend ist hyper-real

Oliver Franklin-Wallis 13.02.2017

Nach dem 3D-Hype in den Kinos steht vielleicht der nächste kurz bevor. Ang Lees „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ nutzt statt herkömmlichen 24 ganze 120 Frames pro Sekunde und sorgt für hyper-reale Bilder.

Filme werden immer schneller. Wer den am 2. Februar gestarteten Film Die irre Heldentour des Billy Lynn schon gesehen hat, weiß, dass dort ein irres visuelles Spektakel geboten wird: Hyper-reale, fast schon halluzinogene Bilder, die mit beeindruckender Klarheit auf die Leinwand gebracht werden. Das Geheimnis liegt in der Frame Rate. Wo fast alle anderen Filme mit 24 Einzelbildern pro Sekunde gedreht werden, besteht eine Sekunde von Die irre Heldentour aus 120 Frames.

Das Ergebnis ist wirklich überwältigend, polarisiert allerdings auch. Ang Lee ist nicht der erste Filmemacher, der mit High Frame Rate (HFR) experimentiert. 2012 hat Peter Jackson den Hobbit mit 48fps ins Kino gebracht – mit durchwachsenen Reaktionen. HFR wirkt zwar schärfer und detaillierter, kann dadurch aber auch ins Unnatürliche abdriften und den Zuschauer von den Geschehnissen auf der Leinwand entfremden.

Die Requisiten und angeklebten Hobbit-Bärte im Auenland werden, laut einigen Kritikern, plötzlich offensichtlich. Ang Lees Gebrauch von HFR ist allerdings nuancierter. Er nutzt die Hyper-Realität als Storytelling-Element, um die lebhaften Flashbacks des Protagonisten zu illustrieren. Die ersten Kritiken waren allerdings auch hier nicht sehr wohlwollend.

Nichtsdestotrotz steht HFR weiterhin auf der Hollywood-Agenda: James Cameron möchte die Technik in seinen kommenden vier Fortsetzungen von Avatar einsetzen. Und im September 2016 hat Netflix den Kurzfilm Meridian veröffentlicht, um sich der Herausforderung zu stellen, HFR auf die Fernsehgeräte der Abonnenten zu streamen. Warum? Natürlich aus finanziellen Gründen.

Filmstudios und Kinos stehen zunehmend in Konkurrenz mit unseren Sofas. Sie hoffen, dass HFR und andere Technologien wie Laser und High Dynamic Range (HDR) einen zusätzlichen Wert bieten, der die Zuschauer ins Kino lockt. Das sagt auch Jon Landau, Produzent von Avatar 2: „Es geht um die Präsentationsweise in den Kinos. Das ist es, was unsere Art des Storytellings von dem unterscheidet, was wir zu Hause bekommen.“ Wen die Zuschauer gut darauf ansprechen, wird Hyper-Realität wohl irgendwann zur neuen Realität.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED UK.
Das Original lest ihr hier.

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