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Google rüstet das Internet für die Hacker der Quanten-Computer-Ära

Joely Ketterer 11.07.2016

Das „Https“ am Beginn einer URL bietet bald vielleicht keine Sicherheit mehr. Quanten-Computer, die Rechner der Zukunft, werden mit ihrer enormen Geschwindigkeit problemlos die Verschlüsselung von HTTPS-Protokollen durchbrechen. Google entwickelt jetzt neue Arten der Datenübertragung, um das Netz vor Quanten-Hackern zu schützen. 

Immer wieder mal poppt da diese Meldung auf, dass ein neuer Quanten-Rechner entwickelt worden ist. Ende des vergangenen Jahres zum Beispiel, als Googles D-Wave Schlagzeilen machte. Aber so richtig fertig sind Forscher noch nicht mit der nächsten Generation an Supercomputern. Sie glauben aber, das ganze ist nur eine Frage der Zeit.

Einige Jahre vielleicht, bis Rechner verlässlich die Grundprinzipien von Quantenphysik ausnutzen können, um schneller zu agieren als ein Computer auf Transistor-Basis. Und einige Jahre vielleicht, bis Hacker auf den neuen Monster-Computern Encryption in Sekunden entschlüsseln können, für die heutige Computer noch tausende Jahre brauchen würden.

Das Spannende und zugleich Gruselige an Quanten-Computern ist nämlich auch: Sie werden in der Lage sein, rückwirkend gespeicherte Web-Kommunikation ohne Probleme zu entschlüsseln.

Eigentlich sind wir doch gerade froh, dass Whatsapp unsere Nachrichten encryptet oder die Telekom die Volksverschlüsselung eingeführt hat. Die Zukunft könnte all unsere Bemühungen um Privatsphäre aber hinfällig machen. Sicherheitsforscher bei Google jedenfalls bereiten sich genau auf so ein Szenario vor, sie testen gerade sogenannte „post-quantum“ Algorithmen für Chrome. Sie sollen den Browser sicher vor den Hackern der Zukunft und ihren „Quanten-Tools“ machen.

In einem Google Security Blog-Post schrieb Softwareentwickler Matt Braithwaite: „Unsere Ziele mit diesem Experiment sind es, einen Forschungsbereich aufzuzeigen, den Google für wichtig hält und mit größeren Datenstrukturen, die „post-quantum“ Algorithmen wahrscheinlich erfordern werden, reale Erfahrungswerte zu sammeln.“


Die Fähigkeit eines Quanten-Computers, nicht nur zukünftige Kommunikation zu entschlüsseln, sondern auch im Nachhinein Informationen zu decodieren, macht selbst die reine Möglichkeit, dass es einen solchen Rechner geben könnte, zu etwas, mit dem wir uns beschäftigen müssen, erklärt Matt Braithwaite weiter.

Die „post-quantum“ Algorithmen laufen gerade auf der Canary-Version von Chrome, die für Testzwecke gedacht ist.

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