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Dieses Tool überrennt Online-Anzeigen mit so vielen Klicks, dass sie User nicht mehr tracken können

Max Biederbeck 31.10.2014 Lesezeit 3 Min

Werbung einfach nur ausschalten, das reicht den Machern des FireFox Add-on AdNauseam nicht. Sie wollen mit einem geschickten Trick die Online-Anzeigen-Industrie bekämpfen.

Daniel C. Howe fühlt sich verfolgt. Überall im Internet sieht er Targeting-Programme, Bewegungs-Tracker und Werbebanner. Sie zeichnen sein Online-Verhalten auf, legen Profile über ihn an, schicken seine Informationen an Geschäftsleute. Eigentlich fordern Datenschützer schon lange einen Do Not Track Standard gegen diese Art von Werbung. Umgesetzt hat das bisher niemand.

Wer sich schützen will, hat nur eine Möglichkeit: mit Adblockern wie Ghostery einfach alles ausstellen. Zu wenig für Howe. „Die meisten Leute kennen solche Ad- und Cookieblocker nicht einmal. Außerdem gibt es unser Tool, um ein politisches Zeichen zu setzen. Wir sind Aktivisten“, sagt er. Anstatt die Anzeigen nur auszuschalten, wollen Howe und sein Entwicklerteam gegen die Werbeindustrie zurückschlagen. Das Instrument dazu haben sie selbst gebaut. Mit ihrem FireFox Addon AdNauseam erzeugen sie Lärm „bis zum Erbrechen“, wie der Name schon sagt. Sie ist ein Angriff auf die Anzeigen-Kultur des Netzes, die Howe zum Feind seiner Persönlichkeitsrechte erklärt hat.

AdNauseam klickt auf einer Seite einfach alle Anzeigen an, die es findet.

Das Tool erscheint im November als Beta-Version. Es klickt auf einer Seite einfach alle Anzeigen an, die es findet. Jedes Banner, jeden Link. Damit sollen die Programme, die User-Verhalten auslesen, verwirrt werden. Daher auch der Begriff „Lärm“, denn im Lärm kann man einzelne Geräusche nicht mehr zuordnen. Und genau das macht AdNauseam. Es wird durch das Tool unmöglich, ein Profil über jemanden zu erstellen, weil er einfach alles anklickt.

„Das Addon benutzt ein Sandbox-System, aus dem die jeweiligen Seite angewählt wird, ohne sie wirklich zu besuchen“, erklärt Howe. Damit sei man jederzeit sicher vor den eigentlichen Inhalten eines Werbebanners. Eine weitere Funktion soll die Möglichkeit bieten, die Klick-Rate von AdNauseam niedriger zu stellen. Ein User kann den Add-Anbietern dadurch vorgaukeln, er sei wirklich selber am Werk und klicke nur ausgewählte Werbung an.

Die Entwickler wollen Misstrauen zwischen Anzeigenkunden und Ad-Space-Anbietern säen.

Damit will Howe und sein Team Verunsicherung in der Werbeindustrie schaffen. „Bisher haben Anzeigenkunden und Ad-Space-Anbieter immer zusammen gearbeitet“, sagt er. Durch das Addon entstehe aber Misstrauen zwischen den beiden, weil der Werbekunde nicht mehr sicher sein kann, ob seine Werbung überhaupt bei einer echten Person ankommt.

Eine ähnliche Verschleierungstaktik wendeten die Macher von AdNauseam schon 2006 mit TrackMeNot an. Das Programm überhäuft Google mit unterschiedlichen Suchanfragen, so dass Google nicht mehr weiß, welche Anfrage eigentlich die echte ist. Die Folge: Der Suchalgorithmus kann sich nicht mehr anpassen.

Mit seiner Erfindung macht sich Howe nicht nur Freunde.

Mit seinen Erfindungen macht sich Howe nicht nur Freunde. Die meisten Online-Angebote finanzieren sich durch Werbung und den Handel mit erhobenen Daten. AdNauseam ist ein natürlicher Feind dieses Geschäftsmodells. „Solche Spielereien sind nur so lange lustig, bis eine Website deshalb ernsthaft schließen muss“, kritisert zum Beispiel ein User im Diskussionsforum Randomdit. Ein anderer sagt: „Das ist einfach nur extrem schädlich und wird zur Erstellung neuer Paywalls führen“.

Howe reagiert darauf so: „Wir sind nicht gegen Werbung per se, wir versuchen ein System bloßzustellen, wegen dem sich im Internet eine nicht haltbare Überwachungsstruktur entwickelt hat.“ Würden die Tracking-Programme einen nicht auf Schritt und Tritt verfolgen, wäre es auch nicht nötig, sich gegen sie zu wehren. „Aber sie verfolgen uns. Überall.“