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Handy-Displays könnten sich bald selbst reparieren

WIRED Staff 19.12.2017

Ein neues durchsichtiges Polymer lässt sich ohne Werkzeuge per Hand reparieren — und weist doch mechanische Stabilität auf. Künftige Smartphone-Displays könnten so länger halten. Die Entdeckung war ein Zufall.

Die neuartige Polymerverbindung ist hart und glasartig, lässt sich aber mit dem Druck einer menschlichen Hand reparieren, sollte sie einmal brechen oder splittern. Die Forschergruppe um Takuzo Aida von der Universität Tokio nennt ihr Material im dazugehörigen Paper in Science Polyether-Tioureas. Wie The Guardian schreibt, schließen sich hohe mechanische Stabilität und die Fähigkeit zur Selbstheilung von Materialien normalerweise gegenseitig aus. Das ist in diesem Fall jedoch anders.

Polyether-Tioureas wurde von dem Doktoranden Yu Yanagisawa entdeckt, der eigentlich einen neuen Klebstoff testen wollte. Geschnittene Kanten des Polymers haften aneinander und bilden eine feste Oberfläche, wenn sie von Hand bei 21 Grad Celsius für eine halbe Minute zusammengepresst werden. Nach ein paar Stunden hat das Bauteil sogar seine volle ursprüngliche Stabilität zurück. Ein gesplittertes Smartphone-Display aus diesem Material ließe sich also per Handauflegen heilen.

Wie die Forscher schreiben, benötigen die meisten selbstheilenden Materialien Temperaturen jenseits von 120 Grad Celsius, um ihre Strukturen neu zu bilden und Sprünge und Risse zu schließen. Das ist bei der Reparatur von Dingen wie Elektrogeräten natürlich ein Problem: Legt ein Nutzer sein beschädigtes Smartphone in den Backofen, dürften andere Komponenten durch die Hitze zerstört werden.

Die Forscher hoffen, dass ihre Entdeckung künftig für mehr Umweltfreundlichkeit in der Produktion von Smartphones und anderen Gadgets sorgt: Weniger weggeworfene Komponenten würden zu weniger giftigen Abfällen und somit weniger Nachproduktion von Ersatzteilen und -Geräten führen. Gesprungene Displays gelten laut Marktforschern nach schwächelnden Akkus als zweitgrößtes Problem bei Smartphones.