/Games

Elon Musk und Google öffnen ihre KI-Spielplätze

06.12.2016 Lesezeit 4 Min

Die Google-Tochter DeepMind und Elon Musks OpenAI tüfteln an virtuellen Trainingsräumen für Künstliche Intelligenzen. Nun wird der Quellcode öffentlich und jeder kann darin spielen, egal ob Lasertag oder Pac-Man. Hinter dem Ganzen steckt ein 17 Jahre alter Egoshooter.

Die KI von Googles DeepMind nutzt ihr Gedächtnis schon wie ein Mensch, während OpenAI von Tesla-Gründer Elon Musk vor allem eine mögliche Monopolisierung von Superintelligenz zu verhindern versucht. Die Funktionsweise von Künstlichen Intelligenzen wie diesen wird auch in den geschützten Grenzen der Gaming-Welt erforscht. Mithilfe von Labyrinthen, Lasertag-Spielen und Reisen durch den Weltraum werden Trainingsräume für die KIs geschaffen.


Bald kann jeder diese nutzen, denn DeepMind hat seinen Game-Code offen zugänglich gemacht. Die Software von DeepMind Lab mit ihren 14 Leveln soll Ende dieser Woche auf GitHub verfügbar sein. Das Ziel von Google ist es, eine AGI zu erschaffen, eine maschinelle Intelligenz, die genauso arbeitet wie das menschliche Gehirn und damit jedes Problem lösen kann, das vor ihr liegt.

DeepMind Lab ist eine 3D-Plattform auf der Basis der agentenbasierten Forschung von Google. Spieltheoretiker bezeichnen damit eine Art Simulation, bei der durch das Verhalten der Agenten (Individuen oder Gruppen) in einer 3D-Welt neue Phänomene entstehen, die nicht programmiert wurden und somit neue Forschungsansätze offenlegen.

Auch Elon Musk öffnet seine OpenAI für jedermann. Sein Computerübungsplatz heißt Universe, eine Open-Source-Software, die Gym unterstützt, das Algorithmus-Toolkit von OpenAI. Es hilft der Software mit einem Belohnungssystem dabei, Spiele zu spielen.

„Die [KI]-Agenten wandern in der fiktiven Welt umher und können jegliche Objekte, wie Wände und Türeingänge nutzen, und Früchte oder andere Gegenstände aufheben“, sagte Shane Legg, einer der Gründer von DeepMind zu WIRED UK. „Es liegt an ihnen, zu lernen, wie sie sich in dieser Umgebung verhalten und im besten Fall Probleme lösen, die wir ihnen geben.“

Videos aus der Gaming-Welt, die zusammen mit dem Quellcode veröffentlicht wurden, zeigen KI-Agenten in Form von großen Himmelskörpern, die Früchte sammeln, durch Korridore laufen, Treppen erklimmen, den Weltraum erkunden und sich ihren Weg durch ein komplexes, digitales Labyrinth bahnen. Diese Software nun öffentlich zugänglich zu machen, wird es KI-Forschern erlauben, ihre eigenen Level zu entwickeln, ihre eigene Künstliche Intelligenz auf den Plattformen zu testen und zu prüfen, wie DeepMind bisher gearbeitet hat.


„Es ist näher an der Wirklichkeit“, erklärte Legg. „Wir leben in einer realen 3D-Welt. Wenn wir KI-Systeme wollen, die die Gegebenheiten der wirklichen Welt erkennen, sich in ihr bewegen und mit ihr interagieren können, ist DeepMind eine virtuelle Möglichkeit dazu.“


Eines der von DeepMind veröffentlichten Level ist ein KI-Lasertag-Spiel. Darin gibt es zwei Teams – Künstliche Intelligenz gegen Bots. „Sie rennen herum und lasertaggen einander, um Punkte zu machen“, sagte Legg. Die Bots wurden in die Lernspiele einbezogen, damit die KI lernt, mit ihnen zu kooperieren, um Probleme zu lösen. Sie dienten der „Vielfalt und Komplexität“, so Legg.

Gamern dürfte die Ich-Perspektive der Spiele bekannt vorkommen. Die Software dahinter wurde auch für Quake III Arena genutzt – das ist nun 17 Jahre her. In einem Dokument, das mit dem Quellcode zusammen herausgegeben wurde, heißt es, die Welt, die DeepMind weiterentwickelt habe, sei reich an Science-Fiction-Grafiken.


Relativ alte Software zu verwenden, hat Vorteile

Shane Legg

Die 17 Jahre alte Software wurde also gezielt ausgewählt. „Relativ alte Software zu verwenden, hat Vorteile“, erklärte Legg. „Sie wurden entworfen, um auf relativ schwachen Computern mit einer ziemlich guten Performance zu laufen.” Sie schone demnach die Ressourcen und benötige nicht zwingend einen leistungsstarken Grafikprozessor.

Das DeepMind Lab wird bereits seit „einigen Jahren“ verwendet und ständig weiterentwickelt, um ihren eigenen Lernprozess zu optimieren. Die Gaming-Welt hat mitgeholfen, der KI ein Kurzzeitgedächtnis beizubringen, um etwa die Londoner U-Bahn zu steuern. Außerdem besitzt sie ein episodisches, sprich autobiografisches Gedächtnis und demnach eigene Erinnerungen wie Hunde und Menschen. Zudem kann DeepMind Bilder erkennen und sich in einer Umgebung orientieren.

Auch Elon Musks KI-Unternehmen erschuf einen Trainingsraum, in dem Entwickler ihre Künstlichen Intelligenzen testen können. Im April wurde der Open-Source-Code veröffentlicht. Die virtuellen Umgebungen enthalten 59 Atari-Spiele wie Alien, Asteroids und Pac-Man. OpenAI stellt auch Ranglisten der erfolgreichsten Systeme zusammen. Im Gegensatz zu traditionellen Ranglisten allerdings, handelt es sich nicht um Highscores. Der Erfolg der Systeme hängt davon ab, wie vielseitig sie sind.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED UK.