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Digital ist besser / Nicht der Killer-Roboter ist das Erschreckende an Dallas

Johnny Haeusler 11.07.2016 Lesezeit 3 Min

Erstmalig wurde während der Demonstrationen in Dallas ein Straftäter bei einem Polizeieinsatz von einem Roboter getötet. Unser Kolumnist ist erschüttert. Aber nicht wegen des Roboters.

Im Zuge der furchtbaren Ereignisse in Minneapolis und Louisiana, bei denen zwei schwarze Menschen von Polizisten getötet wurden, kam es zu Demonstrationen in Dallas, Texas. Dabei wurden fünf Polizisten von einem 25-jährigen Afro-Amerikaner namens Micah Xavier Johnson erschossen und weitere Menschen verletzt.

Johnson hatte sich nach seinen Angriffen in einem Parkhaus verschanzt, wo er von einem Polizei-Roboter getötet wurde. Die Maschine, die eigentlich zur ferngesteuerten Entschärfung oder kontrollierten Detonation von Bomben dient, wurde ins Parkhaus gesteuert, dort tötete sie den Täter durch eine Explosion.

Terminator, anyone?
Weitere Details zum Vorgang sind bisher nicht bekannt. Explodierte die Maschine direkt beim Tatverdächtigen und zerstörte sie sich somit selbst? Oder „hinterlegte“ der Roboter eine Bombe, zog sich zurück und blieb somit selbst unversehrt? Die Maschine war vermutlich ein „Northrop Grumman Remotec Andros F6A oder F6B“ (Korrektur: Es war ein Remotec Andros Mark V-A1) mit allerlei Extras und austauschbaren „Armen“. Einsetzbar „für viele unterschiedlichen Missionen“. Terminator, anyone?

Johnny Haeusler ist Blogger, Mediendesigner und Mitgründer der re:publica. Für WIRED geht er der Frage nach, ob es an der Zeit ist, die Rechner abzuschalten, oder ob wir stattdessen mehr Software in unserem Leben brauchen.

Es fühlt sich irrsinnig an, solche Dinge aufzuschreiben. Eine Maschine zu recherchieren, die ferngesteuert einen Menschen umgebracht hat, der zuvor andere Menschen getötet hat. Vielleicht auch, weil zuvor wiederum andere ebenfalls getötet haben.

Doch erscheint das gesamte Ganze irrsinnig. Die wiederholten Tötungen Schwarzer durch Polizisten in einem Land, das sich als das zivilisierteste der Welt ansieht; die gezielten Schüsse auf Polizisten während einer Demonstration; das Auffinden und Töten eines Täters durch einen Roboter.

Das ferngesteuerte Töten ist uns durch den militärischen Einsatz von Drohnen leider schon bekannt. Doch dies ist der erste Fall in der Geschichte der USA und vielleicht weltweit, bei dem ein Straftäter bei einem Polizeieinsatz durch einen Roboter getötet wurde.

Den Täter durch Beamte stellen zu lassen wäre lebensgefährlich für die Einsatzkräfte gewesen, denn er hatte aus dem Parkhaus weitere Schüsse abgegeben und behauptet, dass er Bomben im Gebiet verteilt habe. Also schickte man einen Roboter, ein Vorgehen, das in ähnlichen Fällen die Regel werden dürfte.

Jede Menge Fragen
Wie anfällig sind solche vermutlich drahtlos gesteuerten Maschinen für Interventionen durch Dritte – drahtlose Datenübertragungen können schließlich leichter gehackt werden? Wer entscheidet, ab wann ein Mensch zur Tötung durch eine Maschine „freigegeben“ wird, wer steuert die Maschinen? Und ab wann werden auch die Entscheidungen und die Steuerungen an Maschinen abgegeben und die ersten Rechnungen aufgestellt, die zwischen dem Verlust einer teuren Maschine und dem möglichen Risiko für einen Menschen entscheiden sollen? Wer trägt bei solchen Vorgängen die Verantwortung für Fehlentscheidungen?

Ich habe die Meldung vom Einsatz eines Roboters im oben beschriebenen Fall als eine sehr niederschmetternde empfunden. Nicht so sehr, weil eine Maschine bei einer gezielten Tötung zum Einsatz kam – das ist grausam und furchtbar, doch das ist jede Tötung eines Menschen, egal, durch welche Waffe sie passiert.
Ich empfinde die Meldung als niederschmetternd, weil sie so deutlich zeigt, dass wir an uns selbst scheitern. Wir sind so schlau, so klug, so vernetzt, so informiert. Wir kreieren so viel. Doch wir schaffen es immer noch nicht, in Frieden miteinander zu leben.

Wir können Maschinen bauen, die Menschen töten. Aber keine, die dafür sorgen, dass es gar nicht erst soweit kommen muss. Das bleibt allein unsere Aufgabe, dabei wird wohl kein Roboter helfen.

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