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Ein neuer Überwachungs-Algorithmus soll in Social Media nur auf Terroristen zielen

Benedikt Plass-Fleßenkämper 12.01.2016

Neue Hoffnung im Kampf gegen den Terrorismus? Wissenschaftler der Universität von Pennsylvania haben das Konzept für einen Algorithmus vorgestellt, der gezielt verdächtige Profile und Aktivitäten in sozialen Netzwerk erkennen soll, aber gleichzeitig die Privatsphäre der übrigen Nutzer schützt.

Erst vor wenigen Tagen trafen sich Vertreter der US-Regierung mit Mitarbeitern von Facebook, Twitter, Google und anderen Großunternehmen der Tech-Branche, um Online-Strategien gegen den IS zu eruieren. Dabei sollen vor allem die sozialen Netzwerke als Hauptverbreitungskanäle für IS-Propaganda schärfer kontrolliert werden.

Informatiker der Universität von Pennsylvania haben nun ein interessantes Konzept für einen Algorithmus vorgestellt, der terroristische Aktivitäten in den Social Media aufdeckt, ohne dabei die Privatsphäre Unschuldiger zu gefährden. Bislang ging das Streben nach größtmöglicher Sicherheit in der Regel mit totaler Überwachung und infolgedessen mit Datenschutzkonflikten einher.

Das Programm der US-Forscher stellt soziale Netzwerke als Graphen dar, auf dem man gezielt nach gewünschten Informationen suchen kann. Auf diesem Graphen besitzen jeder Nutzer und jede Aktivität zugewiesene Werte, die ihn oder sie zum Teil einer Gruppe machen. Der Algorithmus erhält so ein festes Budget an kontrollierbaren Werten und kann mit einer Näherungsrechnung Bestandteile der Zielgruppe herausfiltern, ohne dabei Informationen über Dritte offen zu legen.

Allerdings wurde dieser Grundgedanke noch nicht zu Ende gedacht. Das bestätigen auch die Wissenschaftler im Fazit ihrer Abhandlung: „Unsere Arbeit ist keine Lösung des praktischen Problems, das in vielen Aspekten von dem vereinfachten Modell abweichen könnte.“ Dennoch zeigt sich das Team selbstbewusst und bestätigt, dass „das Identifizieren eines Mitglieds der Zielgruppe nicht im Widerspruch zum Wahren der Privatsphäre anderer stehen muss“.

Ähnlich sah es vor Kurzem auch der Privacy-Pionier David Chaum: Der Erfinder mehrerer Krypto-Protokolle behauptete, ein Verschlüsselungssystem gefunden zu haben, das nicht gehackt werden könne, im Zweifel aber trotzdem Hintertüren für Ermittlungsbehörden und Geheimdienste zulasse. Eine umstrittene Idee

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