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Die indische Regierung versorgt 1050 Dörfer mit WLAN

Liat Clark, WIRED UK 01.02.2017

Google und Facebook machen nur schleppenden Fortschritt darin, die nächste Milliarde Menschen in Indien ins Internet zu bringen. Nun will die indische Regierung selbst in 1050 Dörfern WiFi zur Verfügung stellen.

Innerhalb der nächsten sechs Monate wird die indische Regierung über 1050 Dörfer im ganzen Land mit Internet versorgen. Der Plan ist eine Reaktion auf die nur schleppend verlaufenden Vorhaben von Google und Facebook, die nächste Milliarde Menschen online zu bringen. Jüngst hat Google die YouTube Go App gelauncht, kostenloses Internet an über 100 Bahnstationen gebracht und Maßnahmen vorgestellt, die User mit geringem Datenvolumen oder gar offline nutzen können. Das Projekt ist in Indien nicht unumstritten, so haben unter anderen indische Netzaktivsten und die die staatliche Telekommunikationsaufsicht TRAI das Vorhaben von Internet.org als Verstoß der Netzneutralität bezeichnet. 

Die Regierung Indiens hat die Barriere erkannt, die durch den fehlenden Zugriff auf Technologien Bildung und Wohlstand gefährdet. Mit dem Projekt namens The Digital Village nimmt die Regierung das Problem nun selbst in die Hand. Laut CNN sollen unter der Führung von Aruna Sundararajan – ein Repräsentant des Ministeriums für Elektronik und Informationstechnik – WiFi-Türme in Dörfer montiert werden. Das Projekt kostet 62 Millionen Dollar und soll nach einer Testphase von sechs Monaten auf ganz Indien ausgeweitet werden. Gegenüber CNN Money sagte Sundararajan, dass das Ziel seines Vorhabens die Versorgung „ländlicher Gebiete mit grundsätzlichen Entwicklungsdiensten in Form von digitaler Technologie“ ist.

Indien verfügt über rund 460.000.000 Internetnutzer, was 13,5 Prozent der weltweiten Internetnutzer ausmacht. Allerdings sind das nur 34,8 Prozent von Indiens Bevölkerung. Zum Vergleich: 92 Prozent der britischen Bevölkerung nutzen das Internet.

Die Zahl der indischen Smartphonenutzer soll in diesem Jahr auf 340,2 Millionen ansteigen. Dass bedeutet, dass der Bedarf und die Werkzeuge vorhanden sind und das Wachstum des Internetzugangs lediglich durch die fehlende Bandbreite aufgehalten wird. Das neue Vorhaben der indischen Regierung ist ein riesiges Vorhaben. Im vergangen Jahr ist die Regierung daran gescheitert, 4G-Bandbreite zu versteigern.

Doch wenn es um die Internetversorgung geht, kann nicht früh genug gehandelt werden. „Technologie verbessert nicht nur ‚automatisch‘ die Qualität des Lebens. Es geht darum, wie Innovation zur Aushebelung von Ungleichheit eingesetzt werden kann, anstatt diese zu stärken“, schreibt Garrett Neimann in einem Artikel für WIRED UK. Neimann ist CEO von CollegeSpring, einer Nichtregierungsorganisation, die sich für einkommensschwache US-Studenten einsetzt.

„Technologie ist das Rohmaterial für die Bekämpfung von finanzieller Ungleichheit: Die meisten Ökonomen stimmen dabei zu, dass die unterschiedliche technologische Adaption in verschiedenen Ländern verantwortlich für signifikante Unterschiede der Bruttoinlandsprodukte ist und dass dieses Konzept auch auf einzelne Individuen angewandt werden kann“, so Neimann weiter. „Wenn die vermögendsten 1% der Welt weiterhin wirtschaftliche Erträge schlucken, werden sich Unternehmen für Geschäftsmodelle entscheiden, die Einkommensschwache vernachlässigen und Ungleichheit aufrechterhalten. Die frühe Erklärung von Erfolg ist gefährlich: Wenn wir behaupten, dass ein Produkt allgegenwärtig ist, bevor es das tatsächlich ist, werden Unternehmer mit den nächsten Entwicklungen für die Mittel- und Oberschicht weitermachen und die Besitzlosen fallen zurück.“

Reimann selbst arbeitet mit der Initiative ConnectHome an einem Projekt, das High-Speed-Breitband für 275,000 einkommensschwache US-Haushalte verfügbar machen soll. „Kooperationen wie diese sind schwer und wachsen langsam. Tatsächlich prahlen einige Venture-Kapitalisten damit, dass für das Wachstum ihres Unternehmens nicht in öffentlich-private Partnerschaften investieren. Wir müssen diese Denkweise ausschalten und den ungewollten negativen Einfluss von technologischer Innovation in Betracht ziehen. Sonst werden die Impulse für Revolutionen immer weiterwachsen.

Die indische Regierung scheint hingegen verstanden zu haben, dass ihr Projekt zwar langsam verlaufen, sich aber für die Zukunft des Landes auszahlen wird.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED UK.
Das Original lest ihr hier.

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