Diese Solaranlage soll zum Symbol des Klimagipfels in Paris werden

Bernd Skischally 19.11.2015 Lesezeit 4 Min

Die mobile Solaranlage in Sonnenblumenform eines österreichischen Startups ist der neueste Baustein für die dezentrale Energieversorgung. Nächster großer Auftritt der Smartflower: Die UN-Klimakonferenz ab dem 30. November in Paris. Dort könnte die neuartige Anlage ein Symbol für die ersehnte Aufbruchsstimmung in Sachen Umweltschutz werden. Falls nicht, eignet sie sich immerhin noch als Greentech-Statussymbol.

Was der Energiewende dienen soll, muss groß gedacht werden — das wissen die Entwickler der Smartflower ganz offensichtlich. So haben die Österreicher erst ihren prominentesten Landsmann, Arnold Schwarzenegger, vom Konzept ihrer neuartigen Solaranlage überzeugt, um dann über ihn gleich bei Tesla-Chef Elon Musk anzuklopfen. So ließ Schwarzenegger dem Silicon-Valley-Vordenker und Sonnenenergie-Fan unlängst eine Smartflower als Geburtstagsgeschenk in den Garten stellen. 

Welches Ziel die Hersteller aus dem Burgenland verfolgen, wird spätestens mit dem jetzt in Berlin vorgestellten All-In-One-Solarsystem Smartflower Pop Plus klar: Die Österreicher wollen eine Alternative zu herkömmlichen Photovoltaik-Anlagen anbieten, die flexibler und effizienter einsetzbar ist und die einem Durchschnittshaushalt erstmals eine nahezu hundertprozentig autarke Stromversorgung durch Sonnenenergie ermöglicht. Oder, wie Smartflower-Miterfinder Alexander Swatek es beim Launch in Berlin formuliert: „Wir wollen, dass Solar-Energie wieder Spaß macht.“

Die ausgeklappte Smartflower Pop Plus im Berliner Sony Center — samt Arnold Schwarzenegger als Testimonial-Spiegelung

Das außergewöhnliche Design der rund fünf Meter hohen Solaranlage ist an eine Sonnenblume angelehnt. Dabei bestehen die aktuellen Smartflower-Modelle aus zwölf lamellenartig montierten Photovoltaik-Modulen mit einer Gesamtleistung von 4000 Kilowattstunden pro Jahr, was dem Durchschnittsstromverbauch einer vierköpfigen, europäischen Familie gleichkommt. Getragen wird die Panel-Blüte von einem Metallsockel, in den die Steuerungs-Hardware sowie — im Falle der Smartflower Pop Plus — Lithium-Eisenphosphat-Akkus eingebaut sind, wie sie auch in aktuellen E-Autos zum Einsatz kommen.

Die verwendeten Batterien erlauben laut Swatek bis zu 10.000 Ladezyklen. Außerdem sollen sie an extreme Wetter-Bedingungen angepasst sein, was den Einsatz sowohl in der Wüste (bis zu 50 Grad) als auch in kalten Regionen (bis zu minus 20 Grad) ermöglicht. „Um nachhaltig autark Strom für sich selbst zu generieren braucht man ein Speichersystem. Bei einer gewöhnlichen Photovoltaik-Anlage hat man nur rund 30 Prozent Eigenverbrauch. Bis zu 70 Prozent werden ins Netz eingespeist. Diese Lösung ist wegen der sinkenden Subventionen aber immer weniger attraktiv“, sagt Swatek.

Für zusätzliche Effizienz sorgt die Programmierung der Smartflower: Die Panels richten sich vollautomatisch nach dem jeweiligen Stand der Sonne aus. Bei Sonnenuntergang nehmen die Solarzellen-Flügel eine Ruheposition ein und schließen sich wie die Blüten einer Blume. Praktischer Nutzen dieses Vorgangs: Die Glasflächen werden gereinigt, was die Lichtdurchlässigkeit erhöht. Am Morgen nimmt die Anlage wiederum selbstständig den Betrieb auf. Starken Wind erkennt die Smartflower ebenfalls und reagiert, indem sie die Panels entsprechende Sicherheitspositionen einnehmen lässt.

Die Smartflower-Module sind ausgeklappt knapp fünf Meter, eingeklappt knapp drei Meter hoch. 

Beim neuen, vollautarken Smartflower-Modell ist eine Stromeinspeisung ins Netz gar nicht erst vorgesehen. Die Anschaffungskosten — ab 10.500 Euro pro Anlage — lassen sich daher auch allein über den eingesparten Strompreis amortisieren. Nach derzeitigem Stand und unter Berücksichtigung eventueller Folgekosten, etwa Reparaturen oder der unter Umständen notwendige Austausch der Batterien, dürfte das rund zehn bis 15 Jahre dauern. Swatek prognostiziert jedoch, dass reine Kosten-Nutzen-Kalkulationen ohnehin an Bedeutung verlieren werden: „Den meisten Kunden geht es schon heute nicht mehr nur ums Geld. Solar ist zum Mindset geworden, um etwas für die Umwelt zu tun.“ Und dies auch prominent zu zeigen, könnte man im Falle der Smartflower anfügen. Denn so eine im Garten platzierte Photovoltaik-Anlage im floralen Design ist zwangsläufig auch ein Greentech-Statussymbol mit Angeber-Potenzial.

Seit dem Verkaufsstart der ersten Smartflower-Modelle im Jahr 2014 hat Swateks Unternehmen schon in mehr als 20 Länder Module geliefert. Derzeit produziert die Smartflower Energy Technology GmbH am Firmensitz in Güssing hundert Stück pro Monat. 30 davon gehen dank einer Kooperation mit EDF, dem größten französischen Stromerzeuger, direkt nach Paris, wo die amtierende Bürgermeisterin Anne Hidalgo offenbar plant, alle Schulen der Stadt mit Smartflower-Anlagen auszustatten. „Sie hat die Symbolwirkung erkannt. Zum einen für sich selbst, denn es stehen bald Wahlen an. Aber auch für den UN-Klimagipfel Ende November, der dringend positive Bilder braucht, wenn er ein Erfolg werden soll“, sagt Smartflower-Geschäftsführer Michael Offermanns.

Mehr Geschichten rund um den UN-Klimagipfel in Paris findet ihr in der WIRED Green Issue