/Tech

Das Podbike ist ein Fahrrad, das ein Auto ist

Michael Förtsch 06.11.2017

Ein norwegischer Ingenieur will die Lücke zwischen Fahrrad und Auto füllen. Sein Podbike hat vier Räder, deren Antrieb über Pedalkraft und Akkuladung funktioniert. Bis zu 60 km/h sind drin. Dafür elektrisiert der Erfinder eine eigentlich alte Idee.

Wer im Herbst mit dem Fahrrad zur Arbeit oder zum Einkaufen fährt, der muss recht wetterunempfindlich sein. Regen und Wind gehören dazu und vermiesen das Radeln. Dann doch lieber im trockenen Auto sitzen. Oder? Bereits vor Jahrzehnten wollten Erfinder dieses Problem mit dem Velomobil angehen. Dafür wird ein klassischer Fahrrad- oder Liegerad-Rahmen einfach mit einem Chassis ummantelt. Zwar fanden Velomobil-Modelle wie Fantom oder Leitra durchaus Anhänger, aber setzten sich aufgrund ihrer Schwergängigkeit nicht durch. Das norwegische Fahrzeug-Start-up Elpedal will das nun ändern – mit Elektrokraft.

Bereits seit zwei Jahren ist das Podbike in Entwicklung. Es ist ähnlich aufgebaut wie ein Liegerad. Wobei es nicht drei, sondern vier Räder besitzt. Der Fahrer nimmt auf einem leicht geneigten Sitz Platz und hat vor sich eine Pedalerie. Angetrieben werden dabei aber nicht die Räder selbst. Stattdessen gibt der Fahrer mit seinem Tritt einem Steuersystem die Geschwindigkeit vor und speist mit seiner Kraft gleichzeitig einen Generator, der einen Akku lädt. Der versorgt zwei Nabenmotoren, die die beiden Hinterräder in Gang bringen und das Podbike auf bis zu 60 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Der Kraftaufwand für den Fahrer ist stetig gleich – ganz egal, ob am Berg oder auf glatter Ebene. Eine Akku-Ladung genüge für 60 Kilometer Reichweite – wobei sich mehrere Akku-Packs parallel schalten ließen. Ist der Akku erschöpft, funktioniert das Podbike wie ein klassisches Rad.

Optisch gleicht das elektrische Velomobil mit 79 Zentimetern Breite und 2,3 Metern Länge eher einem äußerst kompakten Kleinwagen. Die 50 Kilogramm leichte Karosserie aus Aluminium und Thermoplast umfasst den Fahrer komplett, soll selbst im Winter einen guten Kälteschutz bieten und kann zum bequemeren Einstieg angehoben werden. Im Rückteil gibt es Stauraum für Einkäufe oder Platz für ein Kind als Mitfahrer. Geparkt werden kann das Vehikel einfach, in dem es auf das Heck gestellt wird. Zudem bietet das sonst minimalistische Cockpit auch zwei USB-Anschlüsse, die zum Laden eines Smartphones oder dem Anschluss eines Navigationsgerätes dienen. Gesonderte Front- und Rückleuchten braucht es nicht. Denn beides ist ebenso wie eine Blinkeranlage direkt in die Karosserie integriert.

Geht es nach Per Hassel Sørensen, dem Ingenieur und Gründer von Elpedal, sei das Podbike das perfekte Gefährt für die Stadt und außerstädtische Kurzstrecken. Auch weil das Hybrid-Vehikel seinen Fahrern deutlich mehr Sicherheit biete als ein Fahrrad. Denn die Kapsel sei so konzipiert, dass die Insassen nicht nur vor Witterungsbedingungen, sondern auch Kollisionen mit anderen Fahrzeugen geschützt sind. Aufgrund des Antriebskonzeptes und dem kompakten Äußeren gilt das Podbike in der EU als Fahrrad und darf damit sowohl auf den Straßen als auch Radwegen unterwegs sein. Ab Frühling 2018 sollen in Norwegen die ersten Prototypen an Vorbesteller ausgeliefert werden. Im Frühjahr 2019 würde die Serienproduktion beginnen. Der Preis für das Podbike liegt bei 4800 Euro.