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Chinas schwebender Bus scheitert am Betrug

Benedikt Plass-Fleßenkämper 03.08.2016

Das Konzept wurde weltweit viel beachtet: Der sogenannte Transit Elevated Bus in China wird mit Elektromotoren angetrieben und fährt auf Stelzen über den Autoverkehr hinweg. Nach ersten Tests wurde es jedoch still um das Projekt. Und jetzt gab es mehrere Festnahmen. Der Vorwurf: Betrug.

Update, 4. Juli 2017: Aus dem Transit Elevated Bus (TEB) wird nichts mehr. Schienen auf dem Testgelände seien bereits abmontiert worden, heißt es. Gegen Bai Zhiming, CEO von TEB Technology Development, der Firma hinter dem schwebenden Bus, wird wegen Betrugs ermittelt. Ihm wird vorgeworfen, illegales Fundraising betrieben zu haben. Über die Website Huaying Kailai soll er Geld von privaten Investoren gesammelt haben. Insgesamt mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar – mit hohem Renditeversprechen. Die Behörden bitten TEB-Investoren sich zu melden. Viele hatten in das neuartige Verkehrskonzept investiert. 

Im Mai 2016 wurde der Transit Elevated Bus (TEB) auf der International High-Tech Expo in Peking vorgestellt. Und wenig später schwebte er schon über den Straßen der chinesischen Stadt Qinhuangdao.

Der Prototyp des TEB hat 16 Räder, ist 22 Meter lang, 7,8 Meter breit und 4,8 Meter hoch und wurde auf einem geschlossenen Gelände getestet. Der mit Elektromotoren betriebene Bus rollt mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 50 km/h auf Stelzen über fahrende Autos hinweg. Wobei unter ihm Platz für zwei Fahrspuren und bis zu 2,1 Meter hohe Fahrzeuge bleibt. Damit Autofahrer keine Sichtprobleme haben, ist die Unterseite des TEB wie ein Tunnel mit einer Deckenbeleuchtung ausgestattet.

Der Test fand allerdings nicht unter realen Verkehrsbedingungen statt: Auf der 300 Meter langen Versuchsstraße gab es weder Ampeln oder Brücken noch Zebrastreifen, Fußgänger oder Kurven. Außerdem ist in dem Prototyp lediglich Platz für 300 Passagiere – spätere Versionen des TEB sollten bis zu 1200 Menschen transportieren und mit etwa 60 km/h auch etwas schneller unterwegs sein.

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Laut der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua stieß der TEB weltweit auf großes Interesse. Die Regierungen von Frankreich, Brasilien, Indien und Indonesien seien begeistert von dem Konzept, behauptete das Sprachrohr der Regierung.

Bis der schwebende Bus in China auf den öffentlichen Verkehr losgelassen werden sollte, wäre in jedem Fall noch viel Zeit vergangen. Zahlreiche weitere Tests wären nötig gewesen. 

Und so spannend das kurriose Vehikel auch war – ob das Ganze im dichten Straßenverkehr chinesischer Millionenstädte funktioniert hätte und darüber hinaus auch sicher genug gewesen wäre, bezweifelten Kritiker von Anfang an. 

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