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In Chile sollen Solarkraftwerke rund um die Uhr Strom liefern

Benedikt Plass-Fleßenkämper 15.03.2017

Der große Nachteil von Solaranlagen ist ihre Abhängigkeit vom Tageslicht. In Chile sollen nun Sonnenkraftwerke entstehen, die auch nachts oder bei schlechtem Wetter noch Strom liefern. 

Neben Wind- und Wasserkraft ist Solarenergie der große Hoffnungsträger für eine klimafreundliche Stromproduktion. Besonders in warmen Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung ist das Potenzial enorm. Ein entscheidender Schwachpunkt der sonnenabhängigen Stromproduktion war bislang aber die Tatsache, dass nachts und bei schlechtem Wetter weniger oder gar kein Strom gewonnen werden kann. Die ausschließliche Versorgung einer Region mit Solarstrom ist deshalb schwierig.

Das US-Unternehmen SolarReserve will für dieses Problem nun eine Lösung gefunden haben: In Chile sollen drei Solarthermie-Kraftwerke entstehen, die 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche Strom liefern können. Möglich macht das eine Speicherlösung in Form einer Flüssigsalzlösung. Diese soll tagsüber durch die Anlage zirkulieren und sich aufheizen. Nachts wird sie mit einer Temperatur von 566 Grad Celsius in Tanks eingelagert.

Dieses gerenderte Bild zeigt, wie das Solarthermie-Kraftwerk in Tamarugal aussehen könnte

Bei Energiebedarf wird mit dem heißen Salz Wasser erhitzt. Der dabei entstehende Dampf treibt eine Turbine an, die wiederum Elektrizität produziert. Bis zu 5,8 Gigawattstunden sollen so für 13 Stunden gespeichert werden können. Die größte der drei geplanten Anlagen in der chilenischen Provinz Tamarugal soll in der Lage sein, rund um die Uhr 450 Megawatt abzugeben.

Die Anlagen bestehen aus bis zu drei Solartürmen, die von mehreren tausend Spiegeln umgeben sind, welche das Sonnenlicht bündeln und auf die Türme zurückwerfen. Auf diese Weise wird die darin zirkulierende Salzlösung erhitzt. Eine ähnliche Anlage entsteht unter dem Namen Ashalim Project gerade in der israelischen Wüste. Der dortige Solarturm ist mit 250 Metern der höchste seiner Art.

So sieht das Baugebiet in Tamarugal heute aus

Die chilenische Regierung hat vor kurzem grünes Licht für den Bau von zwei der drei Anlagen gegeben. Die Bauarbeiten für das Kraftwerk in Tamarugal und ein weiteres in Copiapó können laut SolarReserve theoretisch starten, eine Genehmigung für die dritte Anlage in Antofagasta steht noch aus. Bis die neuen Kraftwerke tatsächlich Energie liefern, könnte es allerdings noch eine ganze Weile dauern.

Zuerst muss SolarReserve Abnehmer für den Solarstrom finden. Verträge mit potenziellen Käufern sollen bei einer öffentlichen Auktion im Oktober unterzeichnet werden. Danach gilt es, Investoren für den Bau der Anlagen zu gewinnen. Allein die Umsetzung der Anlage in Tamarugal soll 2,6 Milliarden Dollar kosten. Laufen alle Verhandlungen wie geplant, sollen die Bauarbeiten Ende 2018 beginnen.

Neu ist das von SolarReserve eingesetzte Prinzip nicht. In Arizona und Las Vegas kommen schon ähnliche Anlagen zum Einsatz, die Energie ebenfalls in Form von erhitztem Salz speichern. Allerdings nutzen beide Kraftwerke eine zusätzliche Transferflüssigkeit in Form von Öl, um das Salz zu erwärmen.

SolarReserve ist das erste Unternehmen, das das Salz direkt erhitzt. Eine erste kleinere Anlage hat das Unternehmen bereits in Nevada realisiert und in Betrieb genommen – mit vielversprechendem Ergebnis. Das Kraftwerk produziert mehr Strom als erwartet, der Ertrag liegt bei 105 Prozent der vertraglich zugesicherten Strommenge. Andere vergleichbare Anlagen hinken hingegen bislang ihren gesteckten Zielen hinterher. Das Ziel für die Projekte in Chile ist es, in unmittelbare Konkurrenz mit Kohle- und Atomkraftwerken treten zu können.

In Nevada betreibt SolarReserve mit den Crescent Dunes bereits erfolgreich eine vergleichbare Anlage

Die Anlagen sollen 30 Jahre lang funktionieren, ohne auf fossile Brennstoffe zurückgreifen oder das Flüssigsalz austauschen zu müssen. Zudem kann ausrangierte Salzlösung SolarReserve zufolge als Dünger eingesetzt werden. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben der Umwelt mit seinen Kraftwerken so wenig wie möglich schaden. Dazu arbeite man mit örtlichen Gemeinden zusammen und führe vor dem Bau ausgedehnte Studien durch. Auch die Wahl der Standorte sowie der Einsatz von wassersparender Technologie finden bei der Planung Berücksichtigung.

Die Einführung der 24-Stunden-Solarkraftwerke könnte ein bedeutender Schritt für die Verbreitung erneuerbarer Energien sein. In jedem Fall ist sie ein weiteres Zeichen für die weltweiten Bemühungen, die Stromproduktion klimafreundlich zu gestalten. Europa ist in dieser Hinsicht ebenfalls auf einem guten Weg. So soll etwa in der Nordsee eine künstliche Insel für die Stromgewinnung durch Windkraft entstehen, die mehrere umliegende Länder versorgt.

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