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Warum auch autonome Autos nicht ohne Fahrer auskommen

Benedikt Plass-Fleßenkämper und Jürgen Kroder 13.06.2017

In selbstfahrenden Autos sollen die Insassen in Zukunft fernsehen und schlafen können. Trotzdem geht es nicht ohne den Menschen – in speziellen Situationen muss weiterhin ein Fahrer eingreifen können, sagt Wolfgang Schneider vom CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen.

Tesla, Lyft oder BMW: Zahlreiche Unternehmen arbeiten an komplett autonom agierenden Fahrzeugen. Diese sollen so klug sein, dass sie selbstständig die Insassen transportieren können. Doch derartige Robotertaxis werden wohl auch mittelfristig nicht hundertprozentig autark handeln können. Weil dafür eine gewisse Infrastruktur benötigt wird – und weil es ganz ohne einen Menschen hinter dem Steuer dann doch nicht geht.

Wolfgang Schneider ist Direktor des CAR-Instituts (Center Automotive Research) der Universität Duisburg-Essen. Im WIRED-Interview erklärt er, wieso auch autonome Autos ganz ohne menschliche Unterstützung am Lenkrad nicht funktionieren können und wie lange es ungefähr noch dauern wird, bis wir uns in smarten Fahrzeugen ausruhen können.

Wolfgang Schneider (68) ist selbstständiger Rechtsanwalt in Düsseldorf und Direktor des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen

WIRED: Herr Schneider, Kommunikation ist bei den Autos der Zukunft ein großes Thema. Warum?
Wolfgang Schneider: Diese Autos werden mit dem Fahrer kommunizieren und auch untereinander. Und natürlich auch mit der Infrastruktur – also zum Beispiel mit den Ampeln und Verkehrszeichen.

WIRED: Wie wird das genau aussehen?
Schneider: Sie setzen sich in Ihr Auto, Sie geben per Sprachbefehl Ihr Ziel ein, und Ihr Auto wird Sie dorthin bringen. Dabei wird es die Verkehrs-, Wetter- und sonstigen Informationen berücksichtigen, die ihm ständig von anderen Autos und der Infrastruktur mitgeteilt werden. Ihr Auto wird Sie unter Umständen darauf hinweisen, dass es besser und schneller ist, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Und das Auto wird am Ende des Tages auch parken – es wird also zum klugen und selbstlernenden Roboter.

WIRED: Werden in solchen Roboterautos Tasten, Knöpfe und Touchscreens obsolet?
Schneider: Tasten, Knöpfe und Touchscreens wird es auch weiterhin geben, wenn auch weit weniger als bisher. Alle zentralen Funktionen werden auf Wunsch sprachgesteuert. Aber: Wenn Sie es wollen, können Sie auch weiterhin selbst fahren – und dazu brauchen Sie dann die eigentlich obsoleten Tasten, Knöpfe und Bildschirme.

Ganz aus der Verantwortung ist der Fahrer nie. Wenn das System versagt, muss er sofort übernehmen

Wolfgang Schneider

WIRED: Was bringen die smarten Fahrzeuge noch mit sich?
Schneider: Selbstfahrende Autos werden eine neue Ära der Kommunikation einläuten. Sie brauchen sich nicht mehr auf das Fahren zu konzentrieren, Sie können arbeiten, lesen, telefonieren, fernsehen oder auch schlafen.

WIRED: Wann wird es soweit sein?
Schneider: Bis das alles soweit ist, wird sicher noch ein Jahrzehnt vergehen. Und: Im Notfall müssen Sie immer übernahmebereit sein.

WIRED: Es wird also weiterhin eine Art Fahrer nötig sein?
Schneider: Ja. Der Fahrer muss sich bei autonomen Autos jederzeit zur Übernahme, also zur vollen Lenkungs-Kontrolle, bereithalten, sobald das System ihn dazu auffordert. Dahin tendiert die neue Rechtslage. Im Moment ist die Rechtslage sogar so, dass der Fahrer jederzeit die Kontrolle haben muss. Aber das wird sich bald ändern, wenn die Technologie einen sicheren Reifegrad erreicht hat.

WIRED: Ganz ohne Mensch geht es also nicht?
Schneider: Nein, ganz aus der Verantwortung ist der Fahrer nie. Wenn das System versagt und ihn warnt, muss er immer sofort übernehmen. 

WIRED: Welche Art von Infrastruktur brauchen wir für die neue Art der Auto-Kommunikation?
Schneider: Für die Kommunikation der Autos untereinander, die Car-to-Car-Communication, besteht die Infrastruktur schon, sie ist nur noch nicht ‚live‘ geschaltet.

WIRED: Warum?
Schneider: Weil wir noch nicht alle möglichen Fehlerquellen ausgeschaltet haben. Und weil die Koordination mit dem Rest der Infrastruktur, zum Beispiel für Verkehrsinformationen, Straßenzustandsberichte und Wetterdaten, noch nicht gänzlich gelöst ist.

WIRED: Werden smarte Autos also in Gegenden mit schlechter Infrastruktur zu „dummen“ Autos?
Schneider: Wo Funk- oder Satelliten-Anbindung fehlen, funktioniert das ganze System nicht. Deshalb brauchen wir eine flächendeckende Abdeckung, bevor wir mit der neuen Technologie starten. Auch das wird noch einige Zeit dauern.

Wolfgang Schneider spricht auf der OPELxWIRED future.mobility Conference am 13. Juni in Rüsselsheim.

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