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2017 fährt der erste emissionsfreie Wasserstoffzug der Welt durch Deutschland

WIRED Staff 28.12.2016

In einem Jahr werden sie bereits durch Niedersachsen rollen: Die weltweit ersten emissionsfreien Bahnen. Mit den Wasserstoffzügen könnte der deutsche Bahnverkehr endlich die internationale Konkurrenz einholen.

Emissionsfreie Mobilität ist auch im Bahnverkehr ein wichtiges Thema. Eisenbahngesellschaften weltweit konkurrieren um den umweltfreundlichen „Zug der Zukunft“, der mithilfe einer Brennstoffzelle Wasserstoff in elektrische Antriebsenergie umwandelt und damit die Zeiten des CO2-Ausstoßes beendet.

Deutschland war in diesem Wettstreit lange ein Außenseiter. Ab Dezember 2017 wird dann aber auch hierzulande die erste emissionsfreie Bahn fahren. Mehr noch: Es handelt sich um den ersten emissionsfreien, mit Brennstoffzellen betriebenen Wasserstoffzug der Welt. Zwei Prototypen des Coradia iLint verkehren zunächst in Niedersachsen auf der Strecke zwischen Buxtehude und Cuxhaven.

In Deutschland und anderen Ländern ist es immer noch üblich, dieselelektrische Loks im Bahnverkehr einzusetzen, vor allem auf Regionalstrecken. Das will der französische Schienentechnikanbieter Alstom mit seinem Coradia ändern. Auf der Bahn-Fachmesse InnoTrans wurde der Prototyp im September vorgestellt, Ende 2020 soll er dann mit 14 Zügen in Serie starten.

Brennstoffzellen bieten einen entscheidenden Vorteil: Sie wandelt chemische Stoffe wie komprimierten Wasserstoff, Flüssigwasserstoff, Erdgas, Methanol und Ammoniak in elektrischen Strom und Wärme um. Ammoniak etwa ist in großen Mengen verfügbar. Außer Wasser entsteht dabei nichts – weder Lärm noch Verschleiß noch für die Umwelt schädliche Abgase. Der Strom, der dabei erzeugt wird, kann zudem auch für das Innenleben des Fahrzeugs genutzt werden, wie für die Beleuchtung und Bordelektrik.

Bei den beiden Coradia-Zügen, die in Niedersachsen fahren sollen, befindet sich der Wasserstofftank auf dem Dach, die Brennstoffzelle samt Batterien im Boden. Lediglich Wasserdampf und Kondenswasser werden von ihnen in die Umwelt abgegeben. Im Vergleich zu dieselbetriebenen Modellen bringt der Brennstoffzellen-Antrieb zwar etwas weniger Power auf die Schiene, kommt aber immer noch auf 140 km/h Spitzengeschwindigkeit. Die Reichweite der Züge beträgt laut Alstom bis zu 800 Kilometer. Der Prototyp ist allerdings keine Neuentwicklung: Innerhalb von zwei Jahren wurde er in Alstoms Werk in Salzgitter entwickelt, dabei nutzten die Ingenieure auch Ersatzteile von anderen Wagen der Lint-Reihe, die die NordWestBahnen und andere Regionalzüge bestückt.

In der Entwicklung der Brennstoffzellen-Technologie waren die Japaner Pioniere. In Tokio wurde bereits 2004 der Prototyp eines Triebwagens mit Brennstoffzellenantrieb präsentiert. 2006 nahm dieser weltweit erste, von Brennstoffzellen gespeiste Triebwagen offiziell Fahrt auf und machte auch in Sachen Geschwindigkeit dem deutschen Transrapid mächtig Konkurrenz.

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