Videosprechstunden statt langer Wartezeiten: Ärzte setzen auf Telemedizin

09.01.2018 Lesezeit 2 Min

Ärztliche Ferndiagnosen per Videochat sind in Deutschland nicht erlaubt. Doch das könnte sich schon bald ändern. Denn Mediziner setzen auf die Digitalisierung des Gesundheitswesens und somit die Telemedizin. Beim Deutschen Ärztetag im Mai soll das Gesetz gekippt werden. Cindy Michel

Stundenlanges Warten in der Praxis, überfüllte Wartezimmer und vor allem während der Grippezeit ein erhöhtes Ansteckungsrisiko: Den Gang zum Arzt überlegt man sich in Anbetracht dieser durchaus realen Szenarien sicherlich zweimal. Doch schon bald könnten diese der Vergangenheit angehören, denn Mediziner wollen nun die Möglichkeit haben, auch aus der Ferne Erstdiagnosen zu stellen.

Schon heute setzen immer mehr Ärzte Telemedizin ein: Per Telefon oder mittlerweile sogar Videochat behandeln sie ihre Patienten. Welche Befugnisse Ärzte in Deutschland während dieser digitalen Sprechstunde haben und welche eben nicht, ist klar geregelt. So dürfen sie zwar beraten und therapieren, ohne den Patienten tatsächlich vor sich zu haben – aber nur, solange der Arzt den Patienten persönlich kennt und selbst die Krankheit während eines persönlichen Kontakts diagnostiziert hat.

In der Praxis bedeutet das, dass ein Arzt etwa jederzeit via Telemedizin die Wundheilung seines Patienten überwachen oder auch Routinekontrollen bei Diabetespatienten per Videochat absolvieren darf. Eine Erkältung oder Ohrenschmerzen hingegen darf der Arzt nicht diagnostizieren, wenn er den Patienten nicht persönlich untersucht hat. Außerdem ist es dem Mediziner untersagt, in der digitalen Sprechstunde krankzuschreiben oder auch ein Rezept auszustellen. Geregelt sind diese Bestimmungen im Fernbehandlungsverbot in Paragraf 7 der Musterberufsordnung für Ärzte. Und genau diesen wollen Mediziner nun beim Deutschen Ärztetag 2018 kippen. Die Bundesärztekammer soll daher eine Änderung der Berufsordnung prüfen.

In Baden-Württemberg hat die Ärztekammer entsprechende Regelungen bereits gelockert und das Verbot für einige Modellprojekte aufgehoben. So können Ärzte dort in Sonderfällen Erstdiagnosen stellen, ohne den Patienten persönlich zu kennen. „Die Änderungen im Bereich der Fernbehandlung sind wichtig, um Telemedizin in Deutschland zu stärken“, sagt Dr. Franz Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses Telematik der Bundesärztekammer, gegenüber der Deutschen Apotheker Zeitung.
Zwar könne die Telemedizin den Arztbesuch nicht vollständig ersetzen,sagt Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, „aber in nahezu allen Bereichen eine gute Unterstützung sein“. Vor allem in ländlichen Gebieten ließen sich Patienten dadurch besser begleiten und versorgen.

Mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse.