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Kriminologen fahnden nach Banksy wie nach einem Serienkiller

Cindy Michel 04.03.2016 Lesezeit 2 Min

Mit einer eher fragwürdigen Vorgehensweise haben britische Forscher versucht, das Rätsel um die Identität des Künstlers Banksy zu lösen: Sie nutzten Geo-Profiling, eine aus der Forensik bekannte Technik, mit der normalerweise Serientäter aufgespürt werden.

Für ihre Studie kartografierten die Wissenschaftler der Queen Mary University die Standorte von 140 Banksy-Werken in Großbritannien, um das geografische Profil des Künstlers zu ermitteln. Mithilfe des Geo-Profilings analysierten sie die Lage der Bilder, fanden Clusteransammlungen und ermittelten mögliche Hotspots in der Nähe, die auf den Wohnort Banksys hindeuten könnten. In der Forensik nutzen Kriminologen diese Methode, um anhand der Tatorte den wahrscheinlichen Aufenthaltsort von Serientätern zu bestimmen. Für die Wissenschaftler wurden eben Banksys Graffitis zu Tatorten und der Künstler zum Serientäter.

Soweit so wissenschaftlich, doch über die weitere Vorgehensweise sind andere Forscher empört, etwa die Datenexpertin Kate Crawford, die ihre Kritik twitterte:

Denn die Kriminologen, die Banksys geografischen Spuren folgten, versuchten in ihrer Studie lediglich, eine Theorie der Daily Mail zu beweisen. Die Online-Ausgabe der Londoner Boulevardzeitung hatte schon im Jahr 2008 behauptet, einen gewissen Robin Gunningham als Banksy identifiziert zu haben. Das nutzten die Kriminologen in ihrer aktuellen Studie als Ausgangspunkt und eruierten, ob Gunninghams alte Wohnadressen sowie Pubs oder andere Orte, an denen der Mann aus Bristol sich gerne aufgehalten haben soll, sich in der Nähe von Banksy-Graffiti-Clustern befinden.

In einer „moralischen Fußnote“ merkten die Verfasser der Studie an, dass die verwendeten Adressen alle gemeinfrei, also für jeden frei einsehbar seien. Doch wie Kate Crawford twitterte: Nur weil die Wissenschaftler gemeinfreie Daten für ihre Studie verwendet hätten, mache es diese nicht moralisch einwandfrei.

Auch wenn die Forschungsergebnisse den Verdacht bestätigen, dass Gunningham Banksy sein könnte, gaben die Kriminologen zu, dass ihre Studie keine klaren Beweise liefern kann: „Da es keine anderen Verdächtigen gibt, die wir in unsere Untersuchungen miteinbeziehen könnten, ist es nicht möglich ein abschließendes Urteil über Banksys Identität zu fällen“, schreiben sie. „Was unsere Forschungsergebnisse aber zeigen, ist, dass die höchsten Ausschläge beider Geoprofile – sowohl in Bristol als auch in London – Adressen beinhalten, die mit Gunningham assoziiert werden können.“ Laut BBC hätte die Studie schon vergangene Woche erscheinen sollen, wurde aber auf Druck von Banksys Anwälten erst jetzt veröffentlicht.