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Raus aus dem Spiritus, rein ins Netz: Tierpräparate jetzt in 3D

06.09.2017 Lesezeit 2 Min

Mithilfe von Computertomographie erstellen Forscher eine öffentliche Datenbank für 3D-Abbildungen von Wirbeltieren. Tausende Exponate aus Museen und Universitäten werden derzeit gescannt. Man kann dann viel mehr erkennen als bei den Tieren im Spiritus-Glas. Und alles begann mit einem Hashtag.

Schon seit Anfang 2016 veröffentlicht Adam Summers, Biologe an der University of Washington, auf seinem Twitter-Profil regelmäßig 3D-Bilder von Fischskeletten unter dem Hashtag #scanAllFishes. Diese Posts führten schließlich dazu, dass auch andere Forscher Scans ihrer Exponate veröffentlichten – und legten so den Grundstein für das Projekt OVert, Kurzform von Open Exploration of Vertebrate Diversity in 3D.

OVert lief im September gleichzeitig in 16 US-amerikanischen Museen und Universitäten an. In den nächsten vier Jahren sollen mittels Computertomographie (CT) insgesamt 20.000 Scans von Wirbeltieren (Englisch: vertebrates) erstellt werden. Zu der Gruppe zählen etwa Fische und Reptilien, aber auch Vögel und Säugetiere. Gerade Fische werden in Naturkundemuseen oft in Alkohol konserviert und in Gläsern aufbewahrt.

Durch die künftig äußerst detaillierte Darstellung können Forscher die Exponate viel genauer untersuchen. So machte ein solcher 3D-Scan bei einem Präparat eine Reihe von winzigen Zähnen sichtbar, die Wissenschaftler in Texas auf die Spur einer bisher unentdeckten Spezies des Schildfischs brachte. Außerdem zeigt das CT etwa, was die Tiere zuletzt gegessen haben, bevor sie im Glas landeten.   

Um die große Menge an Exponaten möglichst effizient zu digitalisieren, hat Summers eine spezielle Methode entwickelt: Er wickelt eingelegte Tiere zuerst in ein mit Alkohol getränktes Stück Stoff, damit sie während des CT-Vorgangs nicht austrocknen. Danach packt er gleich mehrere von ihnen in einen – wie er es selbst nennt – „Fish Burrito“, um sie in einem Durchgang zu scannen. Die 3D-Aufnahmen und -Renderings der Wissenschaftler werden in der öffentlich zugänglichen Datenbank MorphoSource hochgeladen. So haben nicht nur Forscher Zugriff auf die Scans, sondern zum Beispiel auch Tierärzte oder Schüler, die gerade an einer Hausarbeit sitzen.

Adam Summers bezeichnet sich selbst als „Fishguy“. Von seiner langjährigen Expertise auf dem Gebiet profitierte unter anderem auch Pixar. Drei Jahre lang half er den Animationsdesignern des Studios dabei, die Bewegungen und Besonderheiten von Fischen möglichst lebensnah darzustellen. Das Ergebnis: Findet Nemo.