Bald kann jeder für 15.000 Dollar einen eigenen Satelliten im All haben

Michael Förtsch 14.10.2015 Lesezeit 2 Min

Einen Satelliten oder ein Experiment ins Weltall zu bringen, das ist aufwändig und furchtbar teuer. Noch zumindest. Denn ein Raumfahrttechniker will jetzt Mini-Satelliten bauen, die sich schon für ein paar tausend Dollar ins All schießen lassen.

Nur 4,8 mal 4,8 Zentimeter ist der Satellit groß, den Shaun Whitehead mit seinen Kollegen entwickelt hat. Allerdings soll sich damit einiges anstellen lassen. Denn der kleine Erdtrabant besteht aus einer Platine mit Microcontroller, verfügt über bis zu 512 Megabyte Arbeitsspeicher, eine kleine Lithium-Batterie und eine lange Antenne. Aber vor allem existieren jede Menge Schnittstellen samt Halterung für Experimente, die sich auf der Platte andocken lassen. Für 15.000 Dollar, verspricht der US-Raumfahrtingenieur, könne er in Zukunft einen oder gleich mehrere derartige Satelliten mit seinem Projekt ThumbSat bauen und ins All bringen.

Laut Whitehead sind seine Satelliten so klein, dass sie sich bei ohnehin stattfindenden Raketenstarts in die ungenutzten Zwischenräume der Nutzlastkammern quetschen ließen. Ihre Masse würde kaum ins Gewicht fallen — sie reisen quasi per Mitfahrgelegenheit in den Kosmos. Zusammen mit anderen Satelliten würden sie einfach in einem niedrigen Erdorbit ausgesetzt, wo sie dank einem Ballon-artigen Bahnstabilisator bis zu zwei Monate umherschwirren könnten, bevor sie wieder in die Atmosphäre eintreten und verglühen. „ThumbSat wurde aus Frustration geboren. Wir hatten selbst ein Experiment, konnten aber niemanden finden, der es schnell, billig und effizient ins All bringen konnte“, erzählt Whitehead. „Und das trotz unserer Erfahrung und Kontakte.“

Auf der begrenzten Grundfläche des ThumbSat sollen alle möglichen Experimente und Installationen denkbar. Sei es eine simple Kamera für ein Erd-Selfie oder ein komplexerer Versuchsaufbau, der das Verhalten von Flüssigkeiten in der Schwerelosigkeit untersucht. Vor allem Schulen, Universitäten und Jungforschern soll ThumbSat kostengünstig helfen. Auch beim Empfang der gesendeten Daten will Whitehead seine Kunden unterstützen: Rund um den Erdball habe er ein Netz von 50 Freiwilligen und Unterstützern aufgebaut, die die Übertragungen der kleinen Platinen empfangen und weiterleiten.

Schon 2016 sollen 20 ThumbSats um die Erde kreisen. Darunter Projekte von Teenagern, die etwa das Wachstum von Algen ium Orbit untersuchen, aber auch von Forschern des NASA Jet Propulsion Laboratory, die gleich einen ganzen Schwarm der Miniatur-Satelliten aussetzen, um Gravitationswellen zu studieren.