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Yale-Studie: Fact Checker können Fake News kaum verhindern

Juliane Görsch 02.05.2017

Die Verbreitung von Fake News lässt sich auch mit entsprechenden Warnungen kaum verhindern. Das besagt eine neue Studie der Yale University und fordert neue Lösungsansätze.

Seit der US-Präsidentschaftswahl wird die Rolle von absichtlich verbreiteten Falschmeldungen diskutiert. Vor allem Facebook wurde immer wieder mangelndes Verantwortungsbewusstseins im Umgang mit Fake News vorgeworfen. In den USA, in Frankreich und auch in Deutschland begann das soziale Netzwerk schließlich damit, gemeinsam mit Journalisten Fake News als solche kenntlich zu machen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Yale University kommt jedoch zu dem Schluss, dass das nicht ausreicht, um Nutzer vom Verbreiten von Falschmeldungen abzuhalten.

In mehreren Experimenten konfrontierten Gordon Pennycook und sein Team Probanden mit falschen beziehungsweise echten Schlagzeilen. In einem ersten Schritt sollten sie die Nachrichten nach Vertrautheit und in einem zweiten nach Glaubwürdigkeit bewerten. Alle gewählten Beispiele waren tatsächlich bei Facebook im Umlauf und wurden vielfach geteilt.

Je vertrauter die Probanden mit einer Schlagzeile waren, für desto glaubwürdiger hielten sie diese

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Glaubwürdigkeitseinschätzung und Vertrautheit mit einer Schlagzeile gibt. Der Effekt trat sogar dann auf, wenn sich die Probanden nicht mehr bewusst erinnerten, die falsche Schlagzeile schon einmal gelesen zu haben. Der zugrundeliegende psychologische Prozess ist lange bekannt: Als Wahrheitseffekt oder Mere-exposure effect beschreibt er, dass das menschliche Gehirn dazu neigt, bekannten Aussagen und Informationen einen größeren Wahrheitsgehalt zuzusprechen. Die Studie wollte darüber hinaus zeigen, ob dieser Effekt auch bei höchst unglaubwürdigen Aussagen greift, die tatsächlich im Umlauf sind.

Die kurze Antwort: ja und zwar selbst dann, wenn explizit vor dem fehlenden Wahrheitsgehalt gewarnt wird oder die Nachrichten den eigenen politischen Ansichten widersprechen. Die Probanden schätzten ihnen bekannte Schlagzeilen, die mit einer Warnung versehen waren, sogar glaubwürdiger ein als unbekannte Schlagzeilen ohne Warnung. Die Überschrift „Trump plant, angefangen mit Empire, alle TV-Serien zu verbieten, die schwule Handlungen zeigen“ wurde zwar von 95 Prozent der Teilnehmer als falsch erkannt. Das Erschreckende: Wenn die Probanden aber zuvor mit der Schlagzeile vertraut gemacht wurden, wurde sie plötzlich nicht mehr in fünf, sondern zehn Prozent der Fälle als wahr angesehen.

Ein Grund dafür sei, dass Menschen beim Bewerten von Nachrichtenschlagzeilen oft nicht ihre bewusste Urteilsfähigkeit einsetzten, sondern auf eine gänzlich unbewusste Verarbeitung von Informationen zurückgriffen, schreiben die Autoren der Studie. „Politische Echokammern isolieren Menschen nicht nur von anderen Meinungen, sondern schaffen auch Brutstätten für offensichtlich falsche (höchst reißerische und politisierte) Nachrichten“, schließen sie.

Es entstehe ein Teufelskreis, in dem das Teilen von Fake News die Glaubwürdigkeit erhöhe, was wiederum zu vermehrtem Teilen führe und so die Glaubwürdigkeit abermals erhöhe. Eine funktionierende Demokratie sei jedoch abhängig von informierten und kritisch denkenden Wählern. Daher, so die Autoren, müssten „bessere Lösungen her, um zu verhindern, dass Menschen überhaupt in Kontakt mit Fake News geraten“.

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