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Warum Whiskey mit Wasser besser schmeckt

Cindy Michel 18.08.2017 Lesezeit 3 Min

Wer seinen Whiskey mit Cola mischt, outet sich in Kennerkreisen als Dilettant. Wer die Spirituose pur trinkt, weist sich auch nicht unbedingt als Experte aus. Am besten genießt man Whiskey mit etwas Wasser. Das glauben auch schwedische Forscher und bringen einen möglichen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Whiskey mit Wasser verdünnt intensiver schmeckt. 

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Nicht so bei Whiskey. Denn in Expertenkreisen gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Cola gehört nicht in den Drink. Wer den Whiskey dennoch mit dem süßen Gebräu vermischt, verliert unter Kennern schnell an Ansehen. Schlimmer noch, läuft Gefahr, Missgunst und schräge Blicke auf sich zu ziehen. Wer den teuren Drink allerdings mit etwas Wasser verdünnt, begeht keinen Frevel, sondern gibt sich als Experte zu erkennen. Denn so soll das Aroma besser zur Geltung kommen.

Warum das aber so ist, war bislang unklar. Nun entkorken schwedische Forscher das Geschmacksgeheimnis des irischen und schottischen Nationalgetränks in einer Studie: Wasser im Drink sorge nämlich dafür, dass bestimmte Aromastoffe an die Oberfläche des Whiskeys steigen und es so zu einem intensiveren Geruchs- wie Geschmackserlebnisses käme. Ihre Untersuchungen beschreiben Björn Karlsson und Ran Friedman von der Linné-Universität in dem Fachmagazin Scientific Reports

Whiskey wird aus einem bierähnlichen Gebräu mit maximal neun Prozent Alkohol hergestellt. Nach der Destillation hat der Whiskey zunächst einen Alkoholgehalt von knapp 70 Prozent, erläutern Björn Karlsson und Ran Friedman. Während des mindestens dreijährigen Reifeprozesses in Holzfässern nimmt das Getränk Aromastoffe des Holzes auf, während der Alkohol durch die Fasswände entweicht. So sinkt der Alkoholgehalt auf etwa 60 Prozent.

Würde übrigens der Whiskey pur aus dem Fass getrunken und mit den Geschmacksrezeptoren auf der Zunge oder am Gaumen in Berührung kommen, würden diese betäubt werden. Für die Flaschenabfüllung wird der Whiskey daher in den Destillerien noch einmal mit Wasser verdünnt, sodass der Alkoholgehalt letztlich bei rund 40 bis 50 Prozent liegt. Experten schwören, der typische Whiskey-Geschmack käme erst dann zur Geltung, wenn sie dem Drink im Glas nochmals einige Tropfen Wasser hinzu gäben. Diesen Mythos untersuchten die Forscher Björn Karlsson und Ran Friedman in ihrer Studie – und fanden eine mögliche wissenschaftliche Erklärung dafür.

Verantwortlich für das typisch rauchige Aroma von vielen Whiskeys seien bestimmte chemische Verbindungen, so genante Phenole, insbesondere der Pflanzenstoff Guajacol, heißt es in der Studie. Die Wissenschaftler untersuchten mithilfe von Computersimulationen, welche Verbindungen Guajacol, Wasser und Alkohol (Ethanol) bei unterschiedlichen Alkoholkonzentrationen miteinander eingehen.

Sie fanden heraus, dass in Mischungen mit einer hohen Alkoholkonzentration von etwa knapp 60 Prozent die Anziehung zwischen Guajacol und Ethanol besonders stark sei. Der Aromastoff werde so von dem Alkohol in der Lösung festgehalten. Wird der Whiskey dagegen auf weniger als 45 bis 27 Volumenprozent Alkohol verdünnt, verliert das Guajacol mehr und mehr Kontakt zum Ethanol. Es steigt an die Oberfläche der Flüssigkeit und verdunstet. So trage es erheblich zum Geruchs- und Geschmackserlebnis bei, lautet das Fazit der Wissenschaftler.   

Doch bei aller Liebe zur Verbesserung ist Vorsicht geboten: „Es ist ein schmaler Grat zwischen Whiskey-Optimierung und Whiskey-Desaster“, schreibt das Forscher-Team. Welches Mischverhältnis ideal sei, hänge vom Whiskey und den für ihn charakteristischen Aroma-Bestandteilen ab.