Sitzen führt laut Studie doch nicht zu einem schnelleren Tod

WIRED Staff 15.10.2015 Lesezeit 2 Min

Sitzen ist doch nicht tödlich! Eine Studie räumt mit dem Vorurteil auf, dass langes Sitzen zu gefährlichen Krankheiten und einem frühen Tod führt. Sitzen sei nicht schlimmer als Stehen, so die Wissenschaftler, es komme vor allem darauf an, wie viel sich ein Mensch überhaupt bewegt.

Jahrelang berichteten Studien darüber, wie riskant das Sitzen ist. Je länger die tägliche Sitzzeit, desto höher das Sterblichkeits-Risiko. Erst in diesem Jahr erschien eine neue Studie aus Kanada, die in den Annals of Internal Medicine veröffentlicht wurde und anhand von Forschungsergebnissen belegte, dass Sitzen zum baldigen Tod durch Herzkranzgefäß-Erkrankungen und Krebs führt. Menschen, die zwischen acht und zwölf Stunden oder länger am Tag sitzen, hätten ein Risiko von 90 Prozent, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die jetzt veröffentlichte Studie rehabilitiert das Sitzen wieder.

Wissenschaftler der University of Exeter und des University College London fanden in ihrer im International Journal of Epidemiology veröffentlichten Studie heraus, dass längeres Sitzen nicht zwangsläufig zu einem frühen Ende führt. Hierfür sahen sich die Forscher Daten von 5.132 Testpersonen an, die in über einen Zeitraum von 16 Jahren gesammelt wurden. Die Testpersonen gaben ihre gesamte Sitzzeit des Tages an und wie lange sie in einer von vier Situationen gesessen haben: auf der Arbeit, beim Fernsehen, in ihrer Freizeit und in der Freizeit ohne Fernsehen. In die Ergebnisse flossen auch weitere Faktoren ein, wie etwa die gesundheitliche Verfassung der Personen und ob sie sich speziell ernähren.

Die Forscher fanden heraus, dass das Sterblichkeits-Risiko der Testpersonen nicht davon beeinflusst wurde, wie lange oder in welcher Haltung sie gesessen haben. „Unsere Studie stößt das bisherige Denken über die Gesundheitsrisiken durch Sitzen um und zeigt, dass das Problem eher an einem Mangel von Bewegung liegt, als daran, wie viel Zeit man sitzend verbracht hat“, sagte die Autorin der Studie Mary Hillsdon in einem Statement laut der Washington Post: „Jede unbewegliche Haltung, bei der wenig Energie aufgewendet wird, ist schädlich für die Gesundheit, sei es Sitzen oder Stehen.“ Einen Zusammenhang zwischen bestimmten Erkrankungen und langem Sitzen konnten die Forscher nicht feststellen.