Start-ups wollen ein Ökosystem für den smarten Gesundheitsmarkt

07.02.2018

Start-ups und junge Wissenschaftler prägen das Gesundheitswesen von morgen mit innovativen Ideen. Doch um ihre Visionen eines digitalen Systems effektiv umsetzen zu können, benötigen sie ein Netzwerk aus Gleichgesinnten sowie Experten aus Medizin und Wirtschaft – eine Art Ökosystem für den intelligenten Gesundheitsmarkt. Der Health Innovation Port in Hamburg könnte zu so einem „Smart Health Ecosystem“ werden.

Während die digitale Transformation in der Welt rasant vorangeht, gelangen digitale Innovationen nur schleppend in das deutsche Gesundheitssystem. Noch ist der Sektor nicht gänzlich darauf vorbereitet, alte analoge Strukturen sind zu verkrustet. Doch Experten aus Medizin drängen darauf, den Gesundheitsmarkt so schnell wie möglich fit für die Zukunft zu machen. Einen Schritt in diese Richtung hat der Technologiekonzern Philips nun mit dem Health Innovation Port (HIP) in Hamburg gemacht. Direkt mit eingestiegen in das Projekt ist die Techniker Krankenkasse (TK).

Das HIP ist ein neuer Inkubator und Coworking Space für Gründer, die ihren Fokus auf Gesundheit, Medizintechnik und E-Health legen. Dort haben sie die Möglichkeit, sich nicht nur mit anderen Start-ups auszutauschen, sondern auch die Expertise von Vertretern aus etwa Industrie, Wirtschaft, Medizin und Wissenschaft in Anspruch zu nehmen. So soll, „verwoben in einem starken Partnernetzwerk“, ein Ort entstehen, „an dem sich innovative Ideen und neue Geschäftsmodelle im Digital Health Market entwickeln und wachsen können“, heißt es auf der Webseite des HIP. Es entsteht also eine Art Ökosystem für den digitalen Gesundheitsmarkt.

Wie gut dieses Konzept funktionieren kann, zeigte sich beim Innovationstag der TK, der im HIP stattfand. Die Krankenkasse betreute drei Start-ups im Rahmen eines 100-tägigen Accelerator-Programms. Neolexon, Argo (ehemals Don’t Be Afraid VR) und Mecuris präsentierten die Ergebnisse ihrer dreimonatigen Arbeit bei dem Barcamp im HIP.

Weit brachte es das Start-up Mecuris im TK-Accelerator. Das Start-up produziert digital maßgeschneiderte und 3-D-gedruckte Schienen (Orthesen) und künstliche Gliedmaßen (Prothesen). Der Markt dafür ist groß und vor allem bereit: So steht Mecuris nach dem Mentoring-Programm kurz vor dem Abschluss eines Versorgungsvertrags mit der TK.

Auch die Ergebnisse, die die Gründer der Logopädie-App Neolexon pitchten, überzeugten. Denn Mona Späth und Hanna Jakob berichteten nicht nur von ihrer Unternehmensgründung und der App-Entwicklung, sondern auch von ersten Prototypen für Therapiespiele. Die beiden Frauen haben Neolexon für Therapeuten wie Patienten gleichermaßen entwickelt. Der Arzt lädt sich in seiner Praxis die App auf ein Tablet und passt die Therapie damit individuell auf die Bedürfnisse des Patienten mit Sprachstörungen an. Der Patient wiederum kann mit der App zu Hause seine Übungen einfach und spielerisch trainieren. Die Applikation überzeugte übrigens auch die Jury beim Health-i-Award der TK und gewann in der Kategorie „Junge Talente“.

Für Felix Scholz und Robert Scheffler, die Gründer von Don’t Be Afraid VR, brachte das Accelerator-Programm vor allem eines: ein neues Produkt. Als Entwickler von Virtual-Reality-Anwendungen, zunächst im Bereich von Phobien, haben die beiden Gründer im Verlauf des TK-Accelerators ihr Geschäftsmodell umgestellt, ihre Zielgruppe neu definiert, neue Partner gefunden, über Finanzierungswege nachgedacht und gelernt, wie man in den ersten Gesundheitsmarkt kommt. So änderten sie auch den Namen ihres Start-ups von Don’t Be Afraid VR in Argo. „Die Idee war gut, aber es musste ein neues Produkt her“, so Scholz.

Die TK investiert im Rahmen ihrer Health-i-Initiative schon seit Längerem in die Förderung von deutschen Health-Start-ups. Denn durch ihre oftmals unkonventionellen Arbeits- und Denkansätze können Start-ups schnell agieren. Auch bei Lösungsvorschlägen im technischen Bereich seien Start-ups schnell und flexibel in ihren Angeboten. „Start-ups sind so interessant für uns, weil sie auch disruptive Ansätze verfolgen, die den teilweise sehr verkrusteten Markt aufbrechen können“, sagt Dennis Cole von der TK im Gespräch mit WIRED.

Mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse.