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So deprimierend kurz würden wir die Zombie-Apokalypse überleben

Victoria Woollaston 09.01.2017

Physik-Studenten der University of Leicester haben simuliert, wie lange die Menschheit eine Zombie-Apokalypse überleben würde. Das Ergebnis: deprimierend kurz. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer – wenn wir nur lernen, uns zu verteidigen.

28 Days Later, The Walking Dead, Zombieland oder Shaun of the Dead – Film und Fernsehen erzählen meist die Geschichte der Überlebenden einer Zombie-Apokalypse. Da ist es einfach, sich selbst auch als knallharten Survivor zu betrachten, der sich gegen die untoten Horden sicher zu verteidigen wüsste. In Wahrheit stehen die Chancen aufs Überleben aber mehr als schlecht. Der Großteil der Menschheit wäre nach dem Ausbruch eines Zombie-Virus innerhalb von nur 100 Tagen tot (beziehungsweise untot). Weniger als 300 Menschen weltweit würden dann noch zu den Überlebenden zählen – zumindest wenn man einer Simulation der University of Leicester glaubt.

Davon ausgehend, dass ein Zombie jeden Tag mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent einen Menschen beißt und infiziert, haben Studenten der Fakultät für Physik und Astronomie berechnet, dass an Tag 100 auf der ganzen Welt im besten Fall nur noch 273 Personen leben. Damit wären die Menschen gegenüber den Zombies mit einem Verhältnis von eins zu einer Million in der Unterzahl.

Die jungen Forscher stellten ihre Erkenntnisse in einer Reihe von kurzen Artikeln im Journal of Physics Special Topics vor, der studentischen Fachzeitschrift ihrer Fakultät. Diese ist ein Lernprojekt, dass es den Studenten ermöglicht, praktische Erfahrungen im Schreiben, Redigieren, Begutachten und Veröffentlichen von wissenschaftlichen Artikeln zu sammeln.

Ohne ein Gegenmittel oder einen Plan zur Verteidigung deutet alles darauf hin, dass die Menschheit in unter einem Jahr ausgelöscht sein würde

Das studentische Team simulierte den hypothetischen Ausbruch eines Zombie-Virus mithilfe des SIR-Modells (Susceptible Infected Recovered). Mit diesem epidemiologischen Modell lässt sich die Ausbreitung einer Krankheit in einer Bevölkerungsgruppe beschreiben. Dazu wird die Bevölkerung in drei Gruppen aufgeteilt: jene, die anfällig für eine Infektion sind; jene, die schon infiziert sind; und jene, die entweder tot oder genesen sind. Das SIR-Modell berücksichtigt dann die Geschwindigkeit der Ausbreitung oder Eindämmung der Infektion, während die Individuen in Kontakt miteinander kommen.

Dann kommen die Zombies ins Spiel. Die Studenten rechneten den angenommenen Lebenszyklus eines Zombies ein. Wenn S die infektionsanfällige Population ist, Z die Zombie-Population und D die tote Population, würde ein Individuum alle drei Stufen von S über Z bis D durchlaufen.

Entwicklung der Zombie-Epidemie ohne (links) und mit geografisch isolierten Gebieten (rechts)

Natürliche Geburten und Sterbefälle wurden in der ersten Studie nicht mit einberechnet, weil sie über den recht kurzen Zeitraum von 100 Tagen nur einen unwesentlichen Einfluss auf die „Zombiefizierungsrate“ hätten. Ohne ein Gegenmittel oder einen Plan zur Verteidigung deutet alles darauf hin, dass die Menschheit in unter einem Jahr ausgelöscht sein würde – zumindest wenn die Bevölkerung gleichmäßig über den Globus verteilt wäre.

Diesem Untergangsszenario gegenüber steht aber auch eine etwas hoffnungsvollere Zweitstudie. Bei dieser Berechnung fügten die Studenten neue Parameter in das SIR-Modell ein, etwa die Rate an Zombie-Tötungen und die Anzahl der Kinder, die während der Apokalypse geboren werden. Das verbesserte die Überlebenschancen der Menschen erheblich.

Das Team rechnete auch mit ein, dass Überlebende mit der Zeit lernen, sich zu verteidigen, und daher die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit der Zeit sinkt. Unter diesen Bedingungen, schlussfolgerten die Studenten, könnte die Menschheit die Zombie-Epidemie überleben, die Untoten vollständig auslöschen und dann langsam wieder eine neue Zivilisation aufbauen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED UK.
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