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Sag Hallo und ich sage dir, wie vertrauenswürdig du bist

Cindy Michel 25.10.2017 Lesezeit 3 Min

"Hallo!" oder doch lieber "Hallo?". Wie das Begrüßungswort am Telefon ausgesprochen wird, entscheidet laut Wissenschaftlern, welchen Eindruck der Gesprächspartner vom Gegenüber bekommt. Die Ergebnisse könnten Forschungen im Bereich der elektronischen Sprachausgabe beeinflussen.

Der erste Eindruck zählt. Darum zieht man sich für das Blind Date extra fein an oder poliert die Schuhe vor dem Vorstellungstermin. Doch wie verhält es sich mit dem ersten hörbaren Eindruck etwa am Telefon? Auch dieser wird zu Beginn des Gesprächs geprägt, hatten Forscher bereits 2014 herausgefunden. In einer aktuellen Studie untersuchten sie nun, warum die Ergebnisse der Probanden damals übereinstimmten und wollten wissen, wie Menschen Vertrauenswürdigkeit akustisch wahrnehmen.

Um das herauszufinden, entwickelten die beiden Psychologen Phil McAleer und Pascal Belin von der Universität Glasgow ein Stimmmodell, basierend auf den Ergebnissen der Studie von 2014. Dieses Modell programmierten die Forscher mit den akustischen Eigenschaften der jeweils acht vertrauenswürdigsten und der am wenigsten vertrauenswürdigen Stimmen. So konnte das Stimmmodell der aktuellen Forschungsreihe zwei verschiedene „Hallo“ abspielen: einmal mit den akustischen Eigenschaften einer nicht vertrauenswürdigen und einmal mit den Eigenschaften einer vertrauenswürdigen Stimme.

Es war fast so, als würde man den Regler für männliche Stimmen, denen man nicht trauen kann, an einem Soundsystem aufdrehen

Basierend auf diesen beiden Versionen generierten die Wissenschaftler eine Serie von sieben verschiedenen Hallo-Aufnahmen – von wenig bis am meisten vertrauenswürdig – die als akustische Reize dienten. Die Wissenschaftler verstärkten oder minimierten die akustischen Eigenschaften wie etwa die Betonungen einzelner Silben oder die Tonhöhe.

500 Probanden – 146 Männer und 354 Frauen – sollten sich nun durch diese Serie an stimmlichen Reizen zwischen dem „zwielichtigen Hallo“ und dem „vertrauenswürdigen Hallo“ durchhören und diese einordnen. So ergab sich ein linearer Verlauf, die Ergebnisse der Probanden waren wieder deckungsgleich und ähnlich der Studie von 2014. Doch durch die zusätzlich generierten Aufnahmen und das breite Kontinuum an Reizen konnten die Wissenschaftler nun genau definieren, was den Unterschied ausmacht: Zuhörer stuften Singsang-Stimmen grundsätzlich als vertrauenswürdiger ein. Am höchsten wurden „Hallos“ bewertet, „deren Betonung am Anfang steigt, in der Mitte fällt und zum Ende hin wieder steigt“, erläutert der Autor Phil McAleer. „Diese waren außerdem höher im Ton und die Tonhöhe an sich nicht statisch.“

Im Gegensatz dazu waren Stimmen, denen die Probanden weniger vertrauten, monoton und die Tonhöhe niedriger. Außerdem schienen diese am Ende des Wortes wie zu einer Frage anzusteigen. Je flacher die Stimmlage, desto mehr vertrauten die Probanden den Stimmen, schreiben die Autoren in ihrer Studie. „Es war fast so, als würde man den Regler für männliche Stimmen, denen man nicht trauen kann, an einem Soundsystem aufdrehen“, sagt McAleer gegenüber der wissenschaftlichen Plattform Science.

Warum Singsang-Stimmen einen guten Eindruck beim Zuhörer hinterlassen, sei noch zu erforschen, so McAleer. Viele Tiere etwa, merkt er in diesem Zusammenhang an, würden mit einem tiefen Knurren warnen, während sie ein hohes Bellen als Spielaufforderung nutzten.
Aktuell bereiten McAleer und sein Team die Studie mit weiblichen Stimmen auf und planen sie auf andere Kulturen und Länder auszuweiten. Außerdem wolle man diese „grundsätzliche Methode“ zur Identifizierung einer Charaktereigenschaft in der Stimme, wie sie Autor Pascal Belin nennt, nun auch auf andere Eigenschaften anwenden – wie etwa Dominanz, Attraktivität oder Freundlichkeit.

Interessant könnte die Studie vor allem für Computerlinguisten oder Firmen sein, die mit Technologien zur computergenerierten Sprachentwicklung arbeiten. So könnten diese oftmals ratternden und maschinenhaften Stimmen menschlicher gestaltet werden. Ob man das wirklich will, ist eine andere Frage.