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Paul Allen will KIs gesunden Menschenverstand beibringen

Michael Förtsch 12.03.2018 Lesezeit 3 Min

Künstliche Intelligenzen können schon jetzt komplexe Aufgaben lösen. Aber sie mit alltäglichen Herausforderungen zu konfrontieren, würde sie überfordern. Der Microsoft-Mitbegründer Paul Allen will ihnen daher einen „gesunden Menschenverstand“ spendieren.

Zuletzt war Paul Allen äußerst umtriebig. Er hat 800 Kilometer vor der Ostküste Australiens das Wrack des Flugzeugträgers USS Lexington entdeckt und arbeitet mit dem Unternehmen Stratolaunch am größten Flugzeug der Welt, das in Zukunft als Startrampe für Raketen dienen soll. Aber ebenso lässt er mit seinem Allen Institute for Artificial Intelligence an Künstlichen Intelligenzen forschen. Das 2014 gegründete Non-Profit-Unternehmen hat unter anderem bereits Mathematik- und Logikplattformen wie Euclid, GeoS und Aristo hervorgebracht. Diese sollen als Basis für Künstliche Intelligenzen in Medizin, Wissenschaft und Forschung dienen.

Jedoch sind artifizielle Gehirne bislang oft sehr spezialisiert und damit gleichzeitig unfähig, simple Entscheidungen zu treffen und Fakten zu erkennen, die einem Menschen vollkommen logisch erscheinen. Beispiele? Feuer ist heiß, unter Wasser ist das Atmen nicht möglich und Menschen zu schlagen ist schlecht. Diese beruhen auf dem, was gerne als gesunder Menschenverstand bezeichnet wird. Also einer Melange aus frühen Erfahrungen, beiläufigen Beobachtungen und einfacher Intuition. Eben einen solchen Grundstock will Paul Allen nun auch Künstlichen Intelligenzen beibringen. Dafür hat der Milliardär erst kürzlich zusätzliche 125 Millionen US-Dollar für sein Institut bereitgestellt.

Im sogenannten Project Alexandria soll dafür eine Datenbank mit „fundamentalem Wissen“ angelegt werden. Generiert werden sollen die Daten durch die Forscher nicht per Hand, sondern durch Machine-Learning und Machine-Vision-Prozesse. Hierfür sollen Neuronale Netze unter anderem Bücher und Filmaufnahmen selbsttätig analysieren und ihre „Beobachtungen“ protokollieren. Aber ebenso soll Crowdsourcing helfen: Menschen sollen im Netz einfache Fragen beantworten, deren Antworten und Schlussfolgerungen dann in die Datenbank einfließen. „Früh in der KI-Forschung gab es einen weiten Fokus auf gesunden Menschenverstand“, sagt Paul Allen. „Aber diese Arbeit erstarrte.“

Tatsächlich hatte der Stanford-Forscher Doug Lenat bereits vor über 30 Jahren das Projekt Cyc gestartet, das einfache Fakten und Wahrheiten als maschinenlesbare Regelwerke definierte. Cyc existiert auch heute noch und wurde vom Unternehmen Cycorp sukzessive erweitert. Project Alexandria soll nun aber eine zeitgemäße Basis für moderne Künstliche Intelligenzen kreieren. „Wir wollen die Forschung wieder anwerfen und wichtige Durchbrüche in diesem Feld erreichen“, verspricht Paul Allen. Das solle unter anderem dazu führen, dass Roboter von vornherein wissen, was sie tun müssen, um Menschen nicht zu verletzten. Auch sollen sie erkennen, dass eine Fahrt in einen Brunnen für sie selbst echt schlecht ausgehen kann.