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Geo-Wiki + Satellitenbilder = die beste Waldkarte der Welt

Christian Honey 31.03.2015

Klimaforscher und Ökologen benötigen dringend akkurate Karten der globalen Waldbedeckung. Nur so können sie feststellen, wie gesund unsere Welt noch ist. Es gibt zwar lokale und globale Karten. Deren Daten widersprechen einander allerdings häufig. Ein internationales Forscherteam hat diese Karten nun mithilfe von Geo-Wiki-Einträgen zu neuen Waldkarten verbunden und auf Google Earth zur Verfügung gestellt.

Wälder bedecken rund 30 Prozent der Landmasse unseres Planeten. Zugleich stellen sie 80 Prozent der lebenden Biomasse und binden so mehr als 90 Prozent des weltweit ausgestoßenen CO2. Die Entwicklung des weltweiten Klimas hängt wesentlich davon ab, über wieviel Waldfläche der Planet verfügt.

Es gibt bereits einige Karten der globalen Waldbedeckung, die mit unterschiedlichen Berechnungsmethoden aus Satellitenbildern gewonnen wurden. Dazu gehören die MODIS-Karten der NASA oder die GlobeCover-Daten der ESA über verschiedene Vegetations- und Landnutzungsarten.

Ausmaß der Unterschiede im gemessenen Waldbewuchs in verschiedenen verfügbaren Karten am Beispiel Afrikas.

Diese globalen Karten haben allerdings mit 500 bzw. 300 Metern Pixelbreite eine recht grobe Auflösung. Viele müssen bei höheren Zoomstufen mit partieller Wolkenbedeckung kämpfen. Zudem kommen die Berechnungsmethoden teils zu gravierend unterschiedlichen Ergebnissen beim Grad der Waldbedeckung. Wie genau die Wälder sich also entwickeln, konnte man bisher nicht wirklich gut einschätzen und abbilden.

Um diese Ungenauigkeiten zu überwinden, hat ein internationales Team aus Umwelt- und Forstwissenschaftlern acht verfügbare Karten der Waldbedeckung zu einer einzigen Hybrid-Karte verbunden. „Allerdings haben wir die Karten dabei nicht alle gleich gewichtet”, sagt Dmitry Schepaschenko, Hauptautor der Studie vom International Institute for Applied Systems Analysis in Wien. „Um zu entscheiden, welche der Waldkarten die beste Schätzung liefert, haben wir auf Daten des Portals Geo-Wiki zurückgegriffen.“

Typisches Beispiel der Ausschnitte aus Google Earth, die Nutzer von Geo-Wiki auf Waldbewuchs einschätzen sollten

Geo-Wiki ist nach eigenem bekunden „eine Platform, die Bürgen die Mittel zur Verfügung stellt, um am ökologischen Monitoring der Erde teilzunehmen und Feeback auf den bereits verfügbaren Satellitenbildern einzutragen.” Auf einer eingebundenen, hochauflösenden Google-Earth-Version können Geo-Wiki-Enthusiasten eintragen, welche Arten von Vegetation sie in den Satellitenbildern aus unterschiedlichen Datenbanken sehen. So baut Geo-Wiki nach und nach, ganz ähnlich wie OpenStreetMap für Straßen, eine extrem akkurate Weltkarte des Landbedeckung auf.

„An unserer neuen Karte haben insgesamt über 200 Geo-Wiki-Nutzer mitgewirkt.” Diese analysierten insgesamt 20.000 zufällig auf die Erde verteilte Bildausschnitte von 500 mal 500 Metern Größe. Die Frage, die beantwortet werden sollte: „Wieviel Prozent Wald gibt es in diesem Ausschnitt.” Die gesammelten Antworten der Nutzer für eine größere Region (von 50 mal 50 Kilometern) verglichen die Forscher dann mit den Daten der acht verfügbaren Waldkarten. Die Karte, die für eine Region am besten mit den Nutzerdaten übereinstimmte, nutzten sie dann als „beste Schätzung” der Waldfläche in der Region.

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Region für Region bauten die Forscher so ihre neue Weltkarte der Waldbedeckung auf. „Diese Karte ist wahrscheinlich die beste Schätzung der globalen Waldflächen, die es heute gibt”, sagt Schepaschenko. Diese und viele andere Karten findet man hier. Man kann sich entweder als mitwirkender Nutzer oder als Gast (ohne Daten anzugeben) anmelden.

„Als nächstes wollen wir auch Fotos der Nutzer mit in unsere Modelle einbeziehen und mehr Leute zum Mitmachen bewegen”, gibt Schepaschenko an. So gibt es schon ein Mobile App von Geo-Wiki, um geogetaggte Daten zu produzieren. Derzeit sind 8.000 Menschen auf Geo-Wiki aktiv. 

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