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Tierische Filter helfen beim Kampf gegen Mikroplastik im Meer

18.08.2017 Lesezeit 2 Min

Auf der Suche nach neuen Wegen, Meeresbewohner vor schädlichen Plastikteilchen zu schützen, können Forscher auf tierische Hilfe bauen: Mit ihrem schleimigen Gehäuse filtern winzige Lebewesen Plastikpartikel aus der Strömung. Nachteil: Das Problem verlagert sich zum Meeresboden.

Sie erinnern an Kaulquappen, sind durchsichtig und nur etwa 25 Millimeter groß: Die Larvacea der Gattung Bathochordaeus stygius sind zwar die größten ihrer Art, würden aber in den Strömungen der Weltmeere schnell übersehen werden – wären da nicht ihre Gehäuse. Indem sie eine schleimige Substanz aus ihrem Rumpf ausstoßen, bauen sie sich eine Art 3-D-Netz, das einen Durchmesser von bis zu zwei Metern erreichen kann.

Damit filtern sie das Meereswasser nach Nahrung. Auch mikroskopisch kleine Plastikteilchen verfangen sich im Gehäuse der Tierchen, wie eine neue Studie zeigt, die bei Science Advances veröffentlicht wurde.

Über ferngesteuerte Mini-U-Boote fütterten die Forscher 25 Exemplaren der faszinierenden Tierart mit Mikroplastikteilchen. Durch den Einsatz von fluoreszierender Farbe konnten die Wissenschaftler genau verfolgen, was mit dem Plastik innerhalb des Schleim-Gehäuses geschah.

Die Plastikteilchen, die die Tiere mithilfe ihrer Gehäuse aus dem Wasser fischen, verzehren sie zusammen mit ihrer Nahrung und scheiden sie danach schlichtweg wieder aus. Erst kürzlich konnten Forscher belegen, dass viele Meeresbewohner Plastik mit Nahrung verwechseln. Im Fall der schleimigen Hausbauer hat das weniger Folgen für die Lebewesen selbst als für das Ökosystem Meer, so die Verfasser der Studie.

So sehen die Filter aus.

Als Teil der kompakt verpackten und deutlich schwereren Kotkügelchen sinkt das Mikroplastik in Richtung Meeresgrund. Zudem stoßen die Larvacea ihre Schleimnetze ab, wenn sie zu verschmutzt sind. Plastikpartikel sinken mit ihnen zu Boden. So werden die schädlichen Kunststoffe zwar aus der Strömung gefiltert und können nicht mehr von anderen Fischen aufgenommen werden.

Doch einerseits essen einige Meeresbewohner auch die Kotkügelchen. Und zudem sind die Folgen der Plastik-Anreicherung im Meeresboden noch unklar. Es seien nun Untersuchungen nötig, um herauszufinden, wie hoch die Bodenkontamination sei und was dagegen getan werden könne, heißt es in der Studie.

Der Kampf gegen die Plastik-Verseuchung der Meere wird auf vielen Ebenen geführt. Es sind vor allem Einzelprojekte und Initiativen, die von sich Reden machen. Unter anderem ruft die #stopsucking-Kampagne medienwirksam dazu auf, auf Einweg-Strohhalme zu verzichten (nicht zuletzt seit einer Meeresschildkröte vor laufender Kamera ein Strohhalm aus der Nase gezogen werden musste). Das ambitionierte Ocean Cleanup Project des Niederländes Boyan Slat befindet sich in einer Testphase, und in Deutschland tüfteln Entwickler an einer Plattform, die so über die Meeresoberfläche gezogen werden soll, dass sie Plastik fängt – Tiere aber verschont.