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Ein riesiger Eisberg schwimmt vor der Antarktis – und könnte bald zusammenbrechen

Anna Schughart 12.07.2017

Forscher hatten seit Monaten jede Bewegung des großen Risses im Eis der Antarktis beobachtet. Nun ist es tatsächlich passiert: Ein neuer Eisberg ist entstanden. Er gehört zu den größten überhaupt. Doch die spannendere Frage ist: Was passiert dort, wo er abbrach?

Irgendwann zwischen Montag und Mittwoch geschah es: Ein riesiger Eisberg ist vom Larsen-C-Schelfeis abgebrochen. Das verraten Satellitenaufnahmen. Mit einer Fläche von rund 5800 Quadratkilometern und einem Gewicht von mehr als einer Billion Tonnen gehört der Eisberg (der wahrscheinlich den Namen A68 erhält) zu den größten Eisbergen überhaupt.

Überraschend kommt der Abbruch nicht. Wissenschaftler hatten den Riss im Larsen-C-Schelfeis schon seit Jahren im Auge. In den vergangenen Monaten hatte er sich immer weiter vorgearbeitet. „Wir haben mit diesem Ereignis seit Monaten gerechnet und waren überrascht, wie lange es gedauert hat, bis der Riss die letzten Kilometer durchbrochen hatte“, sagt Adrian Luckman von der Swansea University.

Auswirkungen auf den Meeresspiegel wird der neue Eisberg nicht haben. Er schwamm schon vorher im Meer. Die spannendere Frage ist eher: Was passiert jetzt mit Larsen C? Das Larsen-C-Schelfeis ist das viertgrößte Schelfeis der Antarktis. Ausgelöst durch das Abbrechen des großen Eisberges könnte es nun zerfallen, wie die Glaziologin Daniel Jansen vom Alfred-Wegener-Institut im Gespräch mit WIRED im Februar erklärte. Denn die neue Front ist womöglich instabil. „Wir haben in einer Simulation zwei Szenarien durchgerechnet, wie der Eisberg abbrechen könnte. In dem einen wäre es so, dass die Front instabil wird und dass es an einer Stelle anfängt zu bröckeln“, sagte Jansen. Im anderen Szenario bleibt die Front stabil. Für das Kollaps-Szenario spricht allerdings auch, dass sich die Kante von Larsen C nun so weit zurückgezogen hat, wie es zuvor noch nie beobachtet wurde.

Aber warum ist die Stabilität von Larsen C überhaupt so wichtig? Weil das Schelfeis eine natürliche Barriere für Gletscher bildet und so verhindert, dass diese direkt ins Meer fließen. Dann nämlich würde – wenn auch langsam – der Meeresspiegel ansteigen. Die Wissenschaftler beobachten deshalb mit großem Interesse, welches Schicksal Larsen C erwartet. Etwa das seiner Nachbarn? Larsen A und B sind bereits vor einigen Jahren verschwunden. Im Fall von Larsen B brach ebenfalls ein großer Eisberg ab, danach ging die Front immer weiter zurück und am Ende zerfiel das Schelfeis komplett.

„Das Schelfeis ist in einer sehr verwundbaren Position“, sagt Martin O’Lear, ebenfalls von der Swansea University. „Wir werden jetzt sehr sorgfältig nach Zeichen Ausschau halten, ob auch der Rest des Schelfeises instabil wird.“

Und der neue Eisberg? Den behalten die Wissenschaftler natürlich auch im Blick. „Vielleicht bleibt er ganz, aber es ist wahrscheinlicher, dass er in Fragmente zerbricht“, sagt Luckman. Teile des Eises könnten noch Jahrzehnte in der Umgebung bleiben, während andere vielleicht nach Norden in wärmeres Wasser driften.

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