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Wellenenergie könnte sterbende Korallenriffe retten

Michael Förtsch 27.07.2017

Der Klimawandel macht Korallenriffen zu schaffen. Durch die hohen Wassertemperaturen bleichen sie aus und sterben ab. Ein US-Ingenieur will mit einer ungewöhnlichen Methode helfen. Teil davon: kaltes Wasser.

Korallenriffe sind ein farbenfroher Teil der Unterwasserwelt – und voller Leben. Eigentlich. Denn seit Jahrzehnten sind die Naturwunder stark bedroht. Das Great Barrier Reef vor der Küste Australiens etwa ist von einer massiven Korallenbleiche betroffen ebenso wie zahlreiche Riffe an den Küsten der Vereinigten Staaten und der Malediven. Es ist das Anzeichen eines baldigen und dann auch endgültigen Absterbens.

Die Ursache dafür ist der Klimawandel, in Folge dessen sich die Küstengewässer aufheizen. Die sensiblen Organismen werden beschädigt. Der amerikanische Ingenieur Mo Ehsani will nun aber eine Möglichkeit zur Rettung gefunden haben – wofür er die Energie der Meere selbst nutzen will.

Auf einem Treffen der National Science Foundation hat der emeritierte Professor von der University of Arizona vorgeschlagen, kühles Wasser aus den tieferen Regionen der Meere zu den Riffen zu pumpen. „Es gibt dort einen endlosen Vorrat“, sagt Ehsani. Im Bereich um die Korallenriffe selbst würden dazu zahlreiche schwimmende Wellenkraftgeneratoren ausgesetzt. Diese würden dann Pumpsysteme in der Tiefe antreiben, die das Wasser durch leichte, aber stabile Rohre aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff leiten. „Die können so lang sein, wie wir sie brauchen“, meint der Ingenieur. Dazu könnten diese Rohre auch vor Ort gefertigt und ohne großen Aufwand versenkt werden.

So sollen Korallenriffe mit Wellenenergie versorgt werden

Durch das Umwälzen des kühlen Wassers in die überhitzten Regionen der geschädigten Korallen könnte sich der Lebensraum allmählich akklimatisieren. Binnen mehrerer Monate und Jahre wäre es den Riffen dann letztlich möglich, sich zu erholen. Dabei würde das Kühlsystem selbst nahezu ohne Aufsicht und aufwändige Wartung auskommen. Derzeit versucht Ehsani die australische Regierung und das Australian Institute of Marine Science für ein Pilotprojekt zu begeistern. Denn das möchte der Ingenieur möglichst an einem der bedrohten Abschnitte des Great Barrier Reef durchführen. 

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