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Forscher streiten um den Sinn einer stromspeichernden Cyborg-Rose

Louisa Zimmer 02.03.2017

Schwedische Forscher haben einen Kunststoff entwickelt, der Rosen zu einem Energiespeicher umwandelt. Welchen tatsächlichen Nutzen diese Entwicklung hat, ist jedoch umstritten. 

Die Rose gilt als „Königin der Blumen“, Symbol der Liebe und – zumindest wenn es nach Forschern der Universität Linköping geht – als organischer Akku. Die schwedischen Wissenschaftler haben ein Prinzip entwickelt, mit dem Rosen kleine Geräte wie etwa Sensoren mit Strom versorgen können.

Sie stellten die Rose dazu für 24 Stunden in eine Mischung aus dem Kunststoff ETE-S und Wasser. Die Lösung konnte in die gesamte Pflanze eindringen und bildete dort elektrisch leitende Drähte. Aus einer Rose wurde eine Batterie. Die Forscher nutzten die Polymerstränge in größeren Gefäßen der Pflanze als Elektroden, das ETE-S-Hydrogel in den Wänden und Zwischenräumen der Pflanzenzellen als Elektrolyt. Dadurch verwandelte sich die Rose in einen Transistor, dessen Aufbau dem einer Batterie oder eines Akkus gleicht.

Bereits 2015 entwickelten die Forscher eine ähnliche Rose mit einem anderen Kunststoff. Die damalige Lösung konnte sich jedoch nur im Gefäßsystem der Rose ausbreiten. In der Pressemitteilung der Universität Linköping beschreibt die Forscherin Eleni Stavrinidou, dass die Pflanze wie ein gewöhnlicher Akku genutzt werden konnte: „Wir waren in der Lage, die Rose hunderte Male zu laden, ohne Leistungsverlust der Vorrichtung“. In der Größenordnung ihrer Energiespeicherung gleicht die Cyborg-Rose der von Superkondensatoren. Laut Stavrinidou könnte die Rose bereits ohne große Veränderungen Ionenpumpen und bestimmte Sensortypen betreiben. Die im Experiment eingesetzte Rose war eine bereits abgeschnittene Rose, die Forscher wollen ihr Experiment nun auch auf lebenden Pflanzen anwenden.

Dass ganze Haushalte mithilfe solcher Rosenbeete betrieben werden könnte, ist allerdings unwahrscheinlich. So stellten deutsche Wissenschaftler bereits die Anwendung der Hybrid-Rose in Frage. Mario Birkholz vom IHP Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik in Frankfurt (Oder) hat die Studie als „wissenschaftliche Umsetzung des Begriffs Kabelbaum“ bezeichnet. In seinen Augen bietet die Studie zwar interessante Grundlagenforschung, ist aber zu weit von der tatsächlichen Anwendung entfernt. Auch Andreas Offenhäusser vom Forschungszentrum Jülich hält es für unwahrscheinlich, dass wir die Fotosynthese von Pflanzen in Zukunft zur Energiegewinnung nutzen können.

Allerdings nutzen auch andere Wissenschaftler das elektronische Potential von Pflanzen: Im Jahr 2012 wurde in Nashville eine „Spinat-Solarzelle“ vorgestellt, in Massachusetts versetzen Forscher Chloroplasten mit halbleitenden Nanoröhrchen. Als die erste Version der „Cyborg“-Rose im Jahr 2015 vorgestellt worden ist, prophezeite Adam Adamatzky, Professor für Unconventional Computing an der University of the West of England: „In der sehr entfernten Zukunft – weder wir noch unsere Kinder werden es erleben – werden Pflanzen-Computer in unseren Gärten wachsen.“ Ob sich die Akku-Rose der schwedischen Forscher durchsetzen kann, hängt wohl auch davon ab, ob ihr Experiment auch an lebendigen Rosen gelingt.

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