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Studie: Extremwetter könnte Zehntausende das Leben kosten

WIRED Editorial 07.08.2017

Hitzewellen, Waldbrände, Überschwemmungen, Stürme: Der Klimawandel führt immer häufiger zu Wetterkatastrophen – auch in Europa. Laut einer neuen Studie könnten extreme Wetterverhältnisse Ende dieses Jahrhunderts fünfzigmal mehr Europäer töten als heute. 

Im Jahr 2100 wundert sich niemand mehr über extremes Wetter. Zwei Drittel der Europäer erleben Ende des Jahrhunderts regelmäßig Wetterkatastrophen. Im Jahr 2100 könnten in der Europäischen Union, der Schweiz, Norwegen und Island jährlich sogar bis zu 152.000 Menschen an den Folgen sterben. Zum Vergleich: Aktuell sterben jährlich rund 3000 Menschen an den Folgen extremen Wetters. Diese düstere Prognose geben Wissenschaftler der Europäischen Kommission in einer neuen Studie der Fachzeitschrift The Lancet Planetary Health

„Der Klimawandel ist eine der größten globalen Bedrohungen für die menschliche Gesundheit im 21. Jahrhundert“, schreibt Giovanni Forzieri, einer der Autoren der Studie. Laut den Wissenschaftlern ist zu 90 Prozent der Klimawandel für die extremen Wetterverhältnisse und steigenden Todesfallzahlen verantwortlich. Auch Bevölkerungswachstum und der Zuzug von Menschen in küstennahe und deshalb risikoreiche Ballungsgebiete beeinflusst die Prognose. 

Die Wissenschaftler hatten 2300 Berichte über die Folgen von extremem Wettergeschehen zwischen 1981 und 2010 ausgewertet und diese Daten mit Modellberechnungen für Klimaänderungen und die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2100 verbunden. 

Am gefährlichsten sind laut den Berechnungen die Hitzewellen: 99 Prozent der Extremwetter-Toten in Europa könnten im Jahr 2100 auf heiße Temperaturen zurückzuführen sein. Dies gelte inbesondere für Südeuropäer. 700 von einer Million Einwohner könnten im Süden Europas jährlich an Wetterfolgen sterben. Von 1981 bis 2010 seien es jährlich noch elf pro einer Million gewesen. Dies übersteige sogar Prognosen für Todesraten durch Luftverschmutzung.  

Doch nicht alle Wissenschaftler sehen schwarz, was das Wetter angeht. Experten der Universität Seoul sagten, die Ergebnisse der Studie könnten „überbewertet“ sein. Menschen seien bekannt dafür, „anpassungsfähig und weniger verwundbar gegenüber Extrembedingungen“ zu sein, schrieben sie in einem Kommentar in derselben Ausgabe des Journals. Die Studie hätte zum Beispiel bessere medizinische Versorgung, Klimaanlagen oder Wärmedämmung an Häusern außer Acht gelassen. 

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