Forscher entdecken auf Borneo die kleinste Schnecke der Welt

WIRED Staff 03.11.2015 Lesezeit 2 Min

Ein Forscherteam aus Malaysia und Holland hat an den Kalkhängen der Insel Borneo 47 neue Spezies von Schnecken entdeckt. Darunter ist die neue Rekordhalterin als kleinste Schnecke der Welt. Diese ist so klein, dass sie nur mit dem Mikroskop zu finden ist.

Die kleinste Schneckenart der Welt ist in der freien Wildbahn mit bloßem Auge nicht aufzuspüren: Durchschnittlich gerade einmal 0,7 Millimeter ist ihr Gehäuse hoch. Acmella nana ist damit noch einmal deutlich kleiner als die bisherige Rekordhalterin aus China, Angustopila dominikae, deren Haus eine Höhe von durchschnittlich 0,86 Millimetern erreicht. Die neue kleinste Schnecke der Welt und weitere Arten wurden jetzt in einem Paper erstmals beschrieben.

Die kleinen Schnecken sind an den Kalkbergen der Tropeninsel zu finden, da sie hier leicht an das Material für ihre Gehäuse kommen. Einer der teilnehmenden Forscher, Menno Schilthuizen von der Universität Leiden, erklärte gegenüber Live Science, wie derart kleine Spezies hier aufgespürt werden: Die Wissenschaftler sammeln unterhalb der Klippen Bodensatz in Plastiktüten und entleeren diese dann in Wassereimer. Beim Umrühren sinkt die Erde zum Boden und die Schneckenhäuser schwimmen an der Oberfläche und lassen sich abschöpfen und untersuchen.

Da die neue Schneckenart noch nicht lebendig in freier Wildbahn beobachtet wurde, ist derzeit nicht gesichert, wovon sie sich ernährt. Ähnliche Tiere fressen allerdings den dünnen Film aus Bakterien und Pilzen, der an den Wänden von Kalkhöhlen wächst — Acmella nana lebt vermutlich ganz ähnlich. Die winzigen Geschöpfe sind für den Verzehr regulärer Pflanzen vermutlich schlichtweg zu klein.

Die verschiedenen Arten von Kleinstschnecken auf Borneo entstehen, wenn Populationen der Tiere auf verschiedenen Berghängen voneinander getrennt sind und sich dann auseinanderentwickeln. So können Arten allerdings auch durch örtliche Naturkatastrophen wie Waldbrände oder durch menschliche Einwirkungen aussterben: Schilthuizen und seine Kollegen haben bereits Arten dokumentiert, die später für immer verschwunden sind. Acmella nana ist allerdings an mindestens drei unterschiedlichen Orten zu finden — und somit zumindest nicht direkt bedroht.