Ein Wespenstachel ist Vorbild des angenehmen Zahnarztbohrers von morgen

Jakob Vicari 29.10.2014 Lesezeit 2 Min

Fliegende Plagegeister haben zum Stechen über Jahrmillionen eine ausgefeilte Technik entwickelt. Oliver Schwarz und sein Team vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung lernen von den Wespen, wie Ärzte besser bohren könnten.

Die Arbeitsweise ihres jüngsten Bohrers haben sich die Forscher bei Holz- und Schlupfwespen abgeschaut. Die bohren bis zu sechs Zentimeter tiefe Löcher in Pflanzen. Und legen ihre Eier tief ins Holz. Weil sie ihren Rüssel nicht drehen lassen können wie einen Bohrer, haben sie eine Raspel-Technik entwickelt. Der Stachel der Holzwespen besteht aus drei getrennten Raspeln, die die Wespen einzeln steuern könne. Während ein Teil  raspelt, verhakt sich der andere im Holz.

Ein ähnliches Pendelhubprinzip kennt man von der Stichsäge. Das Pendeln sorgt nicht nur für weniger Rotationen, sondern die Wespen brauchen dafür auch erstaunlich wenig Druck. Beides Vorteile, deshalb haben die Stuttgarter Bioniker die Stechtechnik der Wespen auf einen medizinischen Bohrer übertragen. Jetzt sind sie dafür mit dem zweiten Preis des “Internationalen Bionik-Awards“ ausgezeichnet worden.

Wespen können auch viereckige Löcher bohren.

Es gibt noch einen weiteren Vorteil der Technik: Weil sie nicht drillen, sondern raspeln, können die Wespen auch viereckige Löcher bohren. Das ist für Mediziner interessant, da sich in eckigen Löchern Schrauben leichter verankern lassen.

Eine erste Anwendung könnten künstliche Hüftgelenke sein. Beim Einsetzen eines solchen Gelenks bohrt der Chirurg ein großes Loch in den Oberschenkelknochen, in dem das Gelenk verankert wird. Allein in Deutschland bekommen jedes Jahr 200.000 Patienten ein neues Gelenk.

Noch ist der Bohrer nicht im Krankenhaus-Einsatz. Aber erste Tests der Fraunhofer-Forscher stimmen zuversichtlich. Jetzt fehlt nur noch ein Medizintechnik-Unternehmen, das den schonenden Raspelbohrer tatsächlich baut. Entweder in groß für Hüftgelenke oder in kleiner für Zahnärzte.