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Ein Lexikon findet Worte für unbeschreibbare Gefühle

Cindy Michel 27.01.2017

Manche Gefühle kann man nur ungenügend mit Worten beschreiben. Das Verliebtsein etwa, wenn abertausende Schmetterlinge im Bauch Tango tanzen. Das „Positive Lexicography Project“ sammelt solche Gefühlsbegriffe, für die es im Englischen (und oft auch im Deutschen) keine passenden Worte gibt.

Nein, den einen Begriff für die Gefühle des Verliebtseins gibt es nicht – das Wort „Verliebtsein“ selbst am wenigsten. Auf den Philippinen ist das ganz anders. Wer dort verdeutlichen möchte, dass er schweißnasse Hände bekommt, wenn sein Schwarm ihn anspricht, der sagt auf tagalog einfach nur „kilig“.

Oder wie ist es mit der Euphorie beim Tanzen, wenn man seine Kleider vom schwitzigen Körper werfen will? Wie erklärt man das? Da bleibt einem nicht viel übrig zwischen peinlichem Schweigen und einem „Ich will nackt sein!“. Die Freunde werden blöd gucken. Wer bantu spricht, tut sich da leichter und sagt einfach: „mbuki-mvuk“.

Das sind nur einige von aktuell über 1000 Gefühlszuständen, die es bisher in das Positive Lexicography Project geschafft haben. Ein Duden für die guten Gefühle unserer Welt, die wir in manchen Sprachen partout nicht ausdrücken können. Der Psychologe und Musiker Tim Lomas von der University of East London steht erst ganz am Anfang seines Feel-Good-Dudens. „Diese Wörter geben uns eine neue und andere Perspektive auf die Welt“, erklärt Lomas gegenüber der bbc. Wer aber die richtigen Worte kennt, so ist er überzeugt, lerne auch sich selbst besser kennen.

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Die Idee für das Buch sei Loma gekommen, als er ein Gespräch über das Konzept des finnischen Wortes Sisu verfolgt habe. Sisu bedeutet beschreibt die extreme Entschlossen- und Zielstrebigkeit in Zeiten von absoluter Not. Finnen hätten über englische Wörter diskutiert wie „grit“ (Charakterstärke), „perseverance“ (Ausdauer) oder auch „resilience“ (Widerstandsfähigkeit), aber keines dieser Wörter hätte auch nur annähernd die innere Stärke erfassen können, die in dem Wort „Sisu“ stecke. „Unübersetzbar“, meint Loma.

Bei der Entwicklung seines Dudens verlässt sich der Psychologe neben vielerlei Literaturrecherche auch auf die Crowd. Online bittet er um Korrekturunterstützung, Kommentare und Vorschläge für neue Wörter. Erstmals veröffentlichte Lomas seine Studie im Journal of Positive Psychology im vergangenen Jahr. Für die Zukunft hofft er, dass andere Kollegen ebenfalls ihr Interesse für das dieses spezielle Feld der Linguistik und Psychologie entdecken. 

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