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Ein 3D-Drucker genügt, um Medikamente herzustellen

Michael Förtsch 22.01.2018 Lesezeit 2 Min

Wer Medikamente braucht, muss auf Pharmaunternehmen und ihre riesigen Fertigungsanlagen vertrauen. Forscher der Universität von Glasgow könnten das ändern. Geht es nach ihnen, kommt die Laboranlage bald aus einem 3D-Drucker.

Die Entwicklung von medizinischen Wirkstoffen kann Milliarden Euro kosten. Ebenso werden für ihre kommerzielle Herstellung große Anlagen gebraucht. Die produzierten Tabletten und Kapseln werden dann in die ganze Welt verschifft. Die Konstruktion kleinerer Anlagen ist unwirtschaftlich für die Pharmafirmen. Auch wenn mit solchen Fabriken dann schnell auf Krisen und Epidemien reagiert werden könnte – oder es möglich wäre, isolierte Regionen zu versorgen.

Die Universität von Glasgow will dafür nun eine Lösung gefunden haben. Die Forscher um Philip Kitson und Guillaume Marie haben eine Methode entwickelt, mit der sich viele Medikamente mit einem 2.000 Dollar teuren 3D-Druckers und einer simplen Gebrauchsanleitung mischen ließen.

Dabei wird der 3D-Drucker nicht benutzt, um die Medizin zu drucken. Stattdessen haben die Wissenschaftler eine Software erfunden, mit der sich einfache Miniatur-Varianten der Produktionstätten nachbilden lassen. Darunter Mischanlagen, Kessel, Druckbehälter, Kühlkreisläufe und mehr – alles aus Plastik.

Die sogenannten Mikroreaktoren funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie ihre industriellen Vorbilder. Jedoch wären sie, wie die Wissenschaftler im Magazin Science beschreiben, deutlich mobiler, schneller nutzbar und benötigten weniger Vorkenntnisse, um die gewünschten Produkte herzustellen.

Tatsächlich genügt für die Produktion eines Wirkstoffs das Rezeptur. Basierend auf den notwendigen Zutaten und Abläufen könnte ad hoc die Laboranlage mit dem 3D-Drucker gefertigt werden. Wobei der sonst automatisierte Herstellungsprozess natürlich in einzelne Schritte zerlegt werden muss. Dass ihre Miniaturproduktion funktioniert, haben die Wissenschaftler bereits gezeigt. In drei Schritten haben sie ein Muskelrelaxan gemischt.

Damit sei „die Tür aufgestoßen“, um komplexere Pharmazeutika herzustellen, schreiben die Forscher. Und das könnten auch Medikamente sein, die sonst kaum im großer Masse benötigt werden. Vor allem könnten die Arzneien gleich dort produziert werden, wo sie wirklich gebraucht werden. Nämlich in Arztpraxen und Krankenhäusern in abgelegenen Regionen oder sogar im Weltraum.