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„Die Astronautin“: Das sind die Finalistinnen für die erste Deutsche im All

Benedikt Plass-Fleßenkämper 01.03.2017

Eine private Initiative aus Bremen will die erste deutsche Frau ins All schicken. Nun stehen die sechs Finalistinnen fest, eine von ihnen wird im Jahr 2020 zur ISS aufbrechen. Bis dahin benötigt das Projekt Die Astronautin aber noch viel Geld. Es soll unter anderem über Crowdfunding zusammenkommen.

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau kommt schon hier unten auf der Erde viel zu langsam voran, auch in Deutschland. Im Weltraum findet sie schlicht nicht statt. Bislang wurden elf deutsche Männer mit einer Rakete ins All geschossen, aber noch keine Frau aus der Bundesrepublik. Das soll sich in naher Zukunft ändern, im Jahr 2020 soll eine Deutsche zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Diese Idee stammt allerdings nicht von der Europäischen Weltraumorganisation ESA, sondern von der privaten Initiative Die Astronautin, die das Unternehmen HE Space im Frühjahr 2016 gestartet hat.

Im Rahmen von Die Astronautin wird eine Frau aus Deutschland gesucht, die den Trip zur ISS als eine Art Weltraumtouristin absolvieren soll. Mehr als 400 Kandidatinnen hatten sich beworben, nun stehen die sechs Finalistinnen fest: Nicola Baumann (Eurofighter-Pilotin bei der Bundeswehr), Lisa Marie Haas (Entwicklungsingenieurin bei der Robert Bosch GmbH), Susanne Peters (Luft- und Raumfahrtingenieurin, promoviert an der Bundeswehr-Uni München), Magdalena Pree (Ground Operation Engineer beim DLR), Suzanna Randall (Astrophysikerin an der Europäischen Südsternwarte) und Insa Thiele-Eich (Meteorologin an der Uni Bonn). Sie alle sind zwischen 30 und 40 Jahre alt. Die Chemnitzer Geoökolgin Thorid Zierold, mit der WIRED im Oktober 2016 über ihre Teilnahme am Wettbewerb sprach, ist nicht dabei.

Die Finalistinnen des Wettbewerbs (von links nach rechts): Insa Thiele-Eich, Susanne Peters, Magdalena Pree, Lisa Marie Haas, Suzanna Randall und Nicola Baumann

Die All-Aspirantinnen treten in den folgenden Monaten gegeneinander an, bis am Ende zwei von ihnen übrig bleiben. Beide werden zur Astronautin ausgebildet, aber nur eine darf letztlich zur ISS fliegen. Die Reise wird für die Siegerin jedoch alles andere als ein Urlaub, stattdessen bindet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sie in verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen ein.

Das DLR möchte in der zehntägigen Mission unter anderem die Einflüsse der Mikrogravitation der Raumstation auf den weiblichen Hormonhaushalt untersuchen. Die Erkenntnisse wollen die Wissenschaftler für spätere Mars-Missionen nutzen. Ferner will man mehr über das sogenannte Visual Impairment and Intracranial Pressure Syndrome (VIIP) erfahren, das bei einigen Astronauten zu einer Veränderung der Augen führt.

Die Finalistinnen von Die Astronautin hat HE Space gemeinsam mit dem DLR ausgewählt. Das DLR prüfte 81 ausgesuchte Bewerberinnen, sie mussten beispielsweise Wissens- und Leistungstests, Teamaufgaben und psychologische Belastungstests meistern. Die nächste Etappe ist die Ausbildung der Kandidatinnen für den Flug ins All.

Weil das Vorhaben über 30 Millionen Euro kosten wird, sammeln die Initiatoren einen Teil des Geldes per Crowdfunding ein: Sie starteten am 1. März einen Spendenaufruf auf Startnext, mindestens 50.000 Euro sollen so bis zum 30. April zusammenkommen. Die Veranstalter von Die Astronautin wollen mit dem Geld unter anderem ein Grundlagentraining für Raumstationen, ein Überlebenstraining und Parabelflüge finanzieren, auf denen Schwerelosigkeit simuliert wird.

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