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Israel baut den höchsten Solar-Turm der Welt

Benedikt Plass-Fleßenkämper 11.01.2017

Bisher hinkte Israel im Einsatz von erneuerbaren Energien hinterher. Jetzt will das Land kräftig aufholen – und baut auf Regierungsbeschluss den höchsten Solar-Turm der Welt.

Israel beherbergt zahlreiche Unternehmen auf dem Gebiet der Solarenergie und scheint geologisch für die Stromproduktion durch Sonnenkraft prädestiniert. Immerhin bestehen 50 Prozent des an der Mittelmeerküste gelegenen Landes aus Wüste und Steppe, und die Sonne scheint den größten Teil des Jahres kräftig. Dennoch bezieht Israel gegenwärtig nur 2,5 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen. Fossile Brennstoffe wie Gas rangieren noch immer ganz oben in der Gewinnung von Elektrizität.

Der Grund: Förderung von umweltfreundlichen Alternativen durch die Politik gab es bislang kaum. Zudem machten bürokratische Hürden den Einsatz von Solar-Technologie unattraktiv, weshalb israelische Firmen ihre Produkte vor allem im Ausland zum Einsatz brachten. Jetzt legt die Regierung aber eine Kehrtwende hin: In einem aktuellen Beschluss hat sich Israel zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 zehn Prozent seines Energiebedarfs durch erneuerbare Quellen zu decken. Zu diesem Zweck startet der Staat ein Mammutprojekt in der Negev, dem flächenmäßig größten Wüstengebiet des Landes.

Dank der enormen Höhe des Turms können die Spiegel rundherum dichter beieinander positioniert werden als üblich.

Unter der Bezeichnung „Ashalim Project“ soll dort bis 2018 der weltgrößte Solar-Turm entstehen. Mit seiner Höhe von 250 Metern benötigt das Solarthermie-Kraftwerk weniger Fläche als vergleichbare Projekte. Rund um den Turm platzieren die Erbauer 50.000 Spiegel, die das Sonnenlicht auf den Turm reflektieren und diesen erhitzen. Innerhalb der Konstruktion entsteht Dampf, der eine Turbine antreibt. Diese wiederum erzeugt die Elektrizität. Ein ähnliches Konstrukt steht bereits in der Wüste von Kalifornien. Das „Ivanpah“ getaufte Sonnenwärmekraftwerk ist nur 140 Meter hoch, benötigt jedoch 170.000 Spiegel, die eine deutlich größere Fläche einnehmen.

Ebenso wie Ivanpah wird auch das Ashalim Project mit Technologie vom kalifornischen Unternehmen BrightSource Energy realisiert. Einmal fertiggestellt, soll der Turm eine Kapazität von 310 Megawatt besitzen und etwa 130.000 Haushalte mit Strom versorgen. Das entspricht laut ABC News etwa fünf Prozent der Bevölkerung. Dabei ist der Bau des Turms nur eine von insgesamt vier geplanten Phasen für den Ausbau erneuerbarer Energien in Israel.

Der Turm entsteht mitten in der Wüste Negev und ist nur die erste von vier geplanten Solar-Anlagen.

Auf die Errichtung des Turms soll in der Negev-Wüste in einem zweiten Schritt eine weitere Solarthermie-Anlage zur Speicherung von Energie vor allem in den Nachtstunden entstehen. Als dritte Maßnahme umfasst das Ashalim-Projekt den Bau einer Photovoltaik-Anlage. Den vierten Schritt hat Israel offengelassen, ein Beschluss steht noch aus. Die Kombination unterschiedlicher Solar-Technologien soll die Effektivität des Projekts steigern. Der Ertrag entspreche dem von großen Anlagen in Kalifornien und Chile.

Ein fader Beigeschmack bleibt jedoch. Selbst wenn Israel sein Ziel erreicht und zehn Prozent seines Bedarfs mit erneuerbaren Energien deckt, liegt das Land weiterhin abgeschlagen hinter Ländern mit weniger günstigeren Bedingungen zurück. Deutschland etwa gewinnt 30 Prozent seiner Energien aus erneuerbaren Quellen. Das kritisieren auch Befürworter der Energiewende. „Israel hat das Potenzial, eine Sonnenschein-Supermacht zu werden“, sagt etwa Leehee Goldenberg, Leiter der Abteilung für Wirtschaft und Umwelt bei der Nichtregierungsorganisation Israel Union for Environmental Defense.

„Die Regierung bemüht sich nur wenig, um ihre niedrig gesteckten Ziele in Sachen Solarenergie zu erreichen.“ Yaron Szilas, CEO von Shikun & Binui Renewable Energy und leitender Entwickler des zweiten Kraftwerks, sieht ebenfalls größeres Potenzial in Israels Solar-Optionen. „Mit all der Sonne, die wir hier haben und dem technologischen Fortschritt, über den wir verfügen, sind die jetzt angepeilten Ziele sehr, sehr, sehr bescheiden gesteckt.“

Doch es gibt Hoffnung: Ashalim Project könnte nicht die letzte Maßnahme ihrer Art sein. Sollte das aktuelle Projekt erfolgreich umgesetzt werden und die Erwartungen erfüllen, will das israelische Finanzministerium in Zukunft weitere Konzepte realisieren.

Hier könnt ihr euch weitere Bilder des Ashalim Projects anschauen.

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