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Ein Handschuh gegen das Zittern

WIRED Editorial Freitag, Januar 15, 2016

Kaum noch zitternde Hände: Mithilfe eines Handschuhs mit eingebautem Gyroskop will der Mediziner Faii Ong Menschen mit Parkinson von einem der belastendsten Symptome der Krankheit befreien.

Eine Parkinson-Patientin, die kaum noch ohne Hilfe ihre Suppe essen konnte, weil ihre Hände durch die Krankheit so stark zitterten: Dieses Schicksal habe ihn zu seiner Erfindung inspiriert, sagt Faii Ong laut MIT Technology Review. Er betreute die Patientin vor zwei Jahren als Medizinstudent in London. Der mittlerweile 26-jährige Mediziner hat nun den GyroGlove entwickelt, einen Handschuh, der beim Träger das Zittern der Hand unterdrücken kann — mithilfe eines Gyroskops.

Dieses auch Kreiselstabilisator genannte Instrument besteht aus einem symmetrischen Kreisel, der auf einem beweglichen Lager rotiert. Die Konstruktion bringt sich bei Lageveränderungen immer wieder selbstständig in eine aufrechte Position. „Meine Idee war es also, Gyroskope einzusetzen, um den Handbewegungen einer Person direkt und proportional entgegenzuwirken“, erklärt Ong, „und so das Zittern in der Hand des Trägers zu dämpfen“.

Der Stabilisator wird dazu in einer Kunststoffhülle auf dem Handrücken angebracht und per Batterie betrieben. Ong hat den Handschuh zusammen mit anderen Studenten im Prototyping-Labor des Londoner Imperial College entwickelt und getestet.

Laut Technology Review berichten Patienten, die das Gerät ausprobiert haben, den Handschuh anzuziehen sei „wie deine Hand in zähflüssigen Sirup zu tauchen“, in dem man sich zwar frei, aber eben lagsamer bewegen könne. „GyroGlove wird Alltagsaufgaben wie das Arbeiten am Computer, Schreiben, Kochen oder Autofahren für Patienten möglich machen“, glaubt Helen Matthews von der Hilfsorganisation Cure Parkinson’s Trust. 

Voraussichtlich im Herbst soll der Handschuh in Großbritannien auf den Markt kommen. Ongs Unternehmen GyroGear konnte das Preisgeld diverser Technikwettbewerbe in die Entwicklung und Produktion des Hilfsmittels investieren. Es seien noch einige technische Herausforderungen zu meistern, sagt Ong. Schließlich solle der GyroGlove sogar Menschen unterstützen, die fotografieren, operieren oder Sport treiben wollten. Doch das könne bis Herbst gelingen.