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Das Verhütungsgel für Männer wurde erfolgreich an Affen getestet

Louisa Zimmer 08.02.2017

Die Verhütungsmethoden für Männer sind begrenzt. Das könnte sich mit einem Vasalgel ändern, das nun erfolgreich an männlichen Rhesusaffen getestet wurde. 

Während der Markt zahlreiche Optionen an Verhütungsmittel für Frauen bietet, können Männer bislang nur auf zwei Möglichkeiten zurückgreifen: ein Kondom oder die Vasektomie, die meist nicht mehr rückgängig zu machende chirurgische Durchtrennung des Samenleiters. Doch das könnte sich bald ändern: Die Parsemus Foundation arbeitet an einem Verhütungsgel für Männer. Die in Berkeley (Kalifornien) ansässige Non-Profit-Organisation forscht in Bereichen, die ihrer Meinung nach von der Pharmaindustrie vernachlässigt werden.

Das von ihr entwickelte Vasalgel soll in den Samenleiter injiziert werden, um dort den Spermien, aber nicht der Samenflüssigkeit den Weg zu versperren. So bleibt eine Ejakulation möglich. Die zurückbleibenden Spermien werden vom Körper absorbiert. Die chemische Sperre konnte bei einem Test an Kaninchen durch die Injektion eines auf Natriumbicarbonat basierendem Polymergels rückgängig gemacht werden.

So funktioniert das Vasalgel

Für eine neue Studie, die im Journal Basical and Clinical Andrology veröffentlicht wurde, hat ein Team aus fünf Forscherinnen das Vasalgel nun an 16 männlichen Rhesusaffen im California National Primate Research Center getestet.

Das Gel wurde den Affen unter Vollnarkose injiziert. Nach einer Woche wurden die Affen zurück in ihre Freigehege zu Gruppen mit drei bis neun fruchtbaren Weibchen gelassen. Neun der 16 Affen verbrachten nur die Paarungszeit im Gehege, die sieben anderen einen Zeitraum von zwei Jahren. Während dieser Zeit fanden zwar Paarungen statt, aber es gab keine Schwangerschaften. Normalerweise werden 80 Prozent der Rhesusaffen-Weibchen in einer Paarungszeit trächtig.

Der Studie zufolge wiesen die männlichen Affen nur geringe Nebenwirkungen auf. Bei einem Tier wurde das Gel jedoch falsch gespritzt, wodurch der Samenleiter verletzt wurde. Ein anderer Affe entwickelte Spermagranulom, eine knotige Veränderung im Samenstrang, bei der Spermien in das umliegende Gewebe eindringen. Dies ist auch eine häufige Nebenwirkung der Vasektomie.

Beim Rhesusaffen-Test wurde die Sperre allerdings noch nicht – wie bei den Kaninchen ein Jahr zuvor – auf ihre Reversibilität geprüft. Unklar ist auch, wie lange sie nach einer Injektion andauert. In folgenden Studien soll getestet werden, ob die Fruchtbarkeit der Affen durch die Bikarbonat-Methode wiederhergestellt werden kann. Außerdem soll das Gel im nächsten Jahr in klinischen Studien an Menschen getestet werden. Das Vasalgel beruht auf dem bereits 1970 entwickelten RISUG-Gel. 2010 hat die Parsemus Foundation das Patent für den amerikanischen Markt erworben. In Indien wird das RISUG-Gel bereits in klinischen Studien getestet.

Erst im vergangenen Herbst wurde eine weltweite, von der Weltgesundheitsorganisation mitfinanzierte Studie über Hormonspritzen für Männer abgebrochen, weil die Testpersonen Hautprobleme und Depressionen beklagten. 

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