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Ein plastikfressendes Bakterium könnte beim Recycling helfen

WIRED Staff 11.03.2016 Lesezeit 2 Min

Japanische Wissenschaftler haben ein neues Bakterium entdeckt, das Plastik als Nahrung aufnimmt und mithilfe spezieller Enzyme zersetzt. Diese Eigenschaft könnte bei der Entwicklung neuer Recyclingmethoden helfen.

In Anbetracht der Tatsache, dass rund acht Millionen Tonnen Plastik Jahr für Jahr in die Ozeane gelangen und bis zum Jahr 2050 der im Meer schwimmende Plastikmüll mehr wiegen könnte als sämtliche Fischschwärme zusammengenommen, sind neue, potente Wege des Kunststoffrecyclings enorm wichtig. Das größte Problem ist dabei die Zersetzungszeit von Kunststoffen: Bis sich zum Beispiel eine handelsübliche PET-Flasche vollständig aufgelöst hat, dauert es laut Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) rund 450 Jahre. Durch die Bewegung im Wasser verkleinert sich der Kunststoff zunächst und gelangt als Mikroplastik ins Sediment, ins Grundwasser, in die Verdauungstrakte der Fische und letztendlich auch auf unsere Teller. Für dieses Problem müssen zeitnah Lösungen gefunden werden.

Forscher vom Kyoto Institute of Technology sind nun womöglich auf einen neuen Lösungsansatz gestoßen. Sie sammelten im Einwirkungsbereich einer große Recycling-Anlage für PET-Flaschen Umweltproben aus dem Abwasser, dem Sediment, dem Aktivschlamm und weiteren Bereichen. In ihrem Labor überprüften sie anschließend, ob darin Mikroorganismen steckten, die einen dünnen PET-Film zersetzen können. Tatsächlich ließ sich ein Bakterium isolieren, das nun den Namen Ideonella sakaiensis 201-F6 trägt. Selbiges kann, wie aus der im Fachjournal Science veröffentlichten Studie hervorgeht, das zum Beispiel für Trinkflaschen, Folien und Textilfasern verwendete Polyethylenterephthalat (PET) zersetzen.

Den Testfilm im Labor lösten die Bakterien bei 30 Grad Celsius in rund 60 Wochen auf. Für den Abbau des Kunststoffs sind wohl die Enzyme ISF6_4831 und ISF6_0224 im Zusammenspiel verantwortlich — beide Substanzen sind der Umwelt nach heutigem Kenntnisstand nicht abträglich. Der Zersetzungsvorgang geht zwar vergleichsweise langsam vonstatten, könnte in Zukunft aber trotzdem dabei helfen, Plastik aus der Umwelt zu entfernen.