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Methode Baby Driver: Sollten wir einen Tinnitus mit Sound therapieren?

Alexandra Resch 03.08.2017

Der Held aus dem neuen Action-Streifen „Baby Driver“ und drei Millionen Deutsche haben etwas gemeinsam: Sie leiden an Tinnitus. Seine Lösung: Musik – laut und viel davon. Aber kann das wirklich funktionieren? Die Antwort: Jein!

Jung, ziemlich cool, wahnsinnig schnell – und ein dauerhaftes Piepen im Ohr: In Edgar Wrights Baby Driver rast Ansel Elgort als Fluchtfahrer mit Tinnitus über die deutschen Kinoleinwände. Das bringt nicht nur einen jetzt schon heiß diskutierten Soundtrack von HipHop bis Simon & Garfunkel mit sich, sondern auch die Frage: Hilft laute Musik wirklich gegen das Störgeräusch im Ohr?

Allein in Deutschland leiden drei Millionen Menschen am dauerhaften Zischen, Brummen, Piepen oder Klirren im Ohr. Tinnitus ist eine Wahrnehmungsstörung, die durch überaktive Nervenzellen erzeugt wird. Das Phantomgeräusch kann unterschiedliche Ursachen haben – vom Silvesterböller bis zu bakteriellen Infekten im Gehörgang.

Von Babys Strategie, das Dauerpiepen mit lauter Musik zu übertönen, raten Experten in Wirklichkeit aber ab. Tatsächlich kann hohe Lautstärke durch Kopfhörer dem Gehörgang zusätzlich schaden – oder dazu führen, dass der Tinnitus als noch schlimmer wahrgenommen wird, sobald in der Umgebung Stille herrscht. Richtig eingesetzt, kann Musik aber durchaus einen heilenden Effekt haben. 

Mit seinem innovativen Therapieansatz Tinnitracks hat das deutsche Startup Sonormed etwa 2015 die Jury des SXSW Accelerators überzeugt. Die Idee: Tinnitus mit der eigenen Playlist heilen. Per App können Patienten aus geeigneten Lieblingsliedern ihre individuelle Tinnitus-Frequenz rausfiltern. Durch die so aufbereitete Musik soll das Gehirn neurophysiologisch trainiert werden – und die Songs verwandeln sich zur Therapie, deren Wirkung schon nach kurzer Anwendungszeit in klinischen Studien nachgewiesen werden konnte.  

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