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17-Jähriger entdeckt DNA-Mutationen, die HIV und Hirnhautentzündungen bekämpfen könnten

Benedikt Plass-Fleßenkämper 26.03.2015

Andrew Jin, ein 17-jähriger Schüler aus den USA, hat anhand eines Algorithmus seltene DNA-Mutationen im menschlichen Erbgut entdeckt, die sich für Wissenschaft und Pharmaindustrie noch als enorm nützlich erweisen könnten: Mithilfe von Jins Forschungsergebnissen ist in Zukunft die Entwicklung von Medikamenten gegen Infektionskrankheiten wie HIV, Hirnhautentzündung oder Influenza denkbar. Für seine Arbeit wurde der Nachwuchsforscher bei einem Intel-Wettbewerb ausgezeichnet – und staubte 150.000 US-Dollar Preisgeld ab.

Wonach viele Wissenschaftler schon lange suchen, ist dem erst 17-Jährigen Highschool-Schüler Andrew Jin aus San Jose, Kalifornien, geglückt: Während seiner Forschungen am Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo er an einem Sommerprogramm teilnahm, stieß er auf eine Handvoll besonders seltener Genmutationen. Darunter befanden sich solche, die gegen Meningitis resistent sind und eine verminderte Empfindlichkeit gegen HIV oder Influenza aufzeigen.

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Zuvor hatte der Schüler 179 menschliche DNA-Sequenzen aus unterschiedlichen Teilen der Welt untersucht, um herauszufinden, wie sich der Mensch in den letzten 30.000 Jahren weiterentwickelt hat. Jede Sequenz bestand aus drei Millionen Basenparen pro DNA — eine viel zu hohe Zahl, um sie ohne passenden Algorithmus zu entschlüsseln. Also entwickelte Jin einen komplexen maschinellen Algorithmus, der die Sequenzen durchforstete und darin 130 potenziell anpassungsfähige Mutationen hinsichtlich Immunantwort oder Stoffwechsel fand — wichtige Bausteine in der menschlichen Evolution.


Am MIT verfeinerte er schließlich seine Forschungen und konnte die besonders seltenen DNA-Mutationen entdecken, mit denen die Pharmaunternehmen künftig neue, effektive Arzneimittel zur Behandlung von HIV, Influenza und anderen Infektionskrankheiten entwickeln könnten. Bis dahin sei es aber noch ein langer Weg, betont Jin. „Es gibt sehr, sehr starke Anzeichen, dass diese Mutationen eine Rolle in der Krankheitsresistenz spielen. Um dies zu bestätigen, müsste ich biologische Experimente durchführen, um ihre Schutzmechanismen zu studieren. Das ist es, was mich jetzt interessiert."

Jin, der nebenbei auch ein talentierter klassischer Pianist ist und bereits in der Carnegie Hall in New York aufgetreten ist, möchte nach Beendigung der Schule studieren und in jedem Fall weiterhin in der Forschung tätig sein, wie er in einem Interview mit dem Wall Street Journal verrät. „Mich interessieren sowohl die Informatik mit ihren KI-Aspekten als auch biologisch-genetische Aspekte. Idealerweise möchte ich etwas machen, das beide Bereiche abdeckt."

Die Entdeckung der DNA-Mutationen hat sich für den Teenager auch in finanzieller Hinsicht gelohnt: Beim Wettbewerb „Intel Science Talent Search“ gewann er einen der drei mit 150.000 US-Dollar dotierten Preise und räumte die „Medal of Distinction for Global Good“ ab. Das Geld will Jin in seine weitere Ausbildung investieren — vielleicht wächst hier gerade der nächste Nobelpreisträger heran.

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