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20.000 Autoren schreiben an Chinas eigener Version der Wikipedia

Matt Burgess 03.05.2017

Chinas Internet ist umgeben von der Great Firewall, die regierungskritische Stimmen aus dem Land hält. Statt aber nur Inhalte zu zensieren, schafft die chinesische Regierung jetzt ihre eigenen: mit einer staatlich finanzierten chinesischen Variante von Wikipedia.

Seit seinem Start 2001 ist der englischsprachige Teil von Wikipedia auf 5.396.433 Artikel angewachsen. Täglich werden rund 800 neue Einträge hinzugefügt. Obwohl jeder Internetnutzer die Texte, die auf der Plattform erscheinen, verändern kann, blockieren repressive Regime weltweit den Zugang zur Seite, um ihre Bürger davon abzuhalten, deren kritische Inhalte zu sehen.

Zuletzt blockierte die Türkei den Zugang zu Wikipedia und warf der Seite Hetze vor, nachdem man sich dort geweigert hatte, bestimmte Inhalte zu löschen. Auch Russland hat zuletzt einen temporären Bann gegen Wikipedia ausgesprochen. China ist ohnehin bekannt für seine Online-Zensur. Deswegen hat die Regierung in Peking jetzt beschlossen, mit seiner eigenen Enzyklopädie online zu gehen.   

Laut der South China Morning Post arbeiten momentan 20.000 Mitarbeiter an der bereits dritten Edition der Chinese Encyclopaedia. Wenn das Projekt fertig ist, soll es mit 300.000 Artikeln mit je 1000 Wörtern online gehen.

„Die Chinese Encyclopaedia ist kein Buch, sondern eine kulturelle Große Mauer“, sagte Yang Muzhi laut der South China Morning Post. Er ist der Chefredakteur des Projekts. Die Seite solle dazu dienen, „die öffentliche Meinung zu leiten und zu führen.“

Akademiker von Universitäten und Forschungsinstituten aus dem ganzen Land wurden darauf angesetzt, Artikel für die chinesische Enzyklopädie zu schreiben. Yang sagte, das Ziel sei, Wikipedia zu überholen, wenn die erste Version des Projekts Anfang 2018 online geht.

Zu diesem Zeitpunkt ist noch unklar, wie groß der Einfluss der chinesischen Regierung auf die Einträge sein wird. Fest steht, dass bisher Inhalte, die vom Regime nicht gewünscht sind, von der Great Firewall of China blockiert werden. Seit deren Errichtung haben viele Chinesen allerdings demonstriert, wie sie mithilfe von VPNs umgangen werden kann. Die Regierung hat im Januar 2017 angekündigt, beim Blockieren von ausländischen Inhalten und Diensten härter durchzugreifen.   

Die neue Enzyklopädie wird nicht nur mit Zensoren zu kämpfen haben, sondern auch mit der Konkurrenz. Die chinesischen Internet-Giganten Baidu und Qihoo 360 bieten schon jetzt ihre eigenen Online-Nachschlagewerke an. Und obwohl China viele Inhalte online sperrt, können chinesische Nutzer eine limitierte Version der Wikipedia nutzen. Diese beinhaltet allerdings nur ein Fünftel aller Artikel des Originals.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED UK.
Das Original lest ihr hier.

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