/Life

Wikileaks will Obamas Admins für geheime Informationen bezahlen

Michael Förtsch 05.01.2017

Die Whistleblower-Plattform Wikileaks hat ein Kopfgeld ausgelobt. Sie will damit Beweise und Informationen über die Vernichtung brisanter Daten durch die scheidende Obama-Regierung einkaufen. Das Angebot von Julian Assange und Co. wendet sich vor allem an Systemadministratoren.

Am 20. Januar wird Donald Trump als nächster US-Präsident ins Amt eingeführt. Das bedeutet auch das Ende der langjährigen Regierung von Barack Obama. Und weil Wikileaks schon seit geraumer Zeit in der amerikanischen Innenpolitik mitspielt, hat die Whistleblower-Plattform von Julian Assange auch jetzt eine Vermutung: Derzeit würden wahrscheinlich zahlreiche digitale wie physische Akten und Dokumente von Obamas Leuten zerstört. Deshalb hat die Whistleblower-Seite auf Twitter zunächst 20.000 und dann 30.000 US-Dollar für Informationen ausgelobt, die „zur Festnahme oder Bloßstellung jedes Mitarbeiters der Obama-Regierung führen, der bedeutende Unterlagen zerstört“.

Als Beleg für die Mutmaßungen verweist Wikileaks auf eine geleakte Email von James Messina, dem damaligen Stabschef von Barack Obama. In dieser spricht er von einer Festplatte mit „Memos, Emails und anderen elektronischen Dokumenten“ der Clinton-Regierung, die im Frühjahr 2009 im Nationalarchiv verloren gegangen und mutmaßlich gestohlen worden sei. „Lasst das Weiße Haus nicht noch einmal US-Geschichte zerstören“, fordert die Enthüllungsplattform und richtet sich dabei gezielt an Administratoren der staatlichen Computersysteme. „Jetzt kopieren, dann an Wikileaks schicken!“

Das Kopfgeld ist ein zwiespältiges Angebot, mit dem Julian Assange schon öfter gearbeitet hat. Er ermutigt damit potentielle Informanten, anders als Chelsea Manning oder Edward Snowden, nicht aus Gründen der Moral und Ethik, sondern aus finanziellen Erwägungen zu handeln. Nicht das Aufdecken von Missständen, sondern die Belohnung wäre der Antrieb – das hat etwa bei Medien in der Vergangenheit immer wieder zu Falschinformationen geführt. Bislang ist indes unklar, welche Dokumente Wikileaks überhaupt als „bedeutend“ klassifiziert und wie das Geld ausgezahlt werden soll, ohne die Informanten in Gefahr zu bringen.

Erst am Mittwochabend hatte Wikileaks-Gründer Julian Assange FOX News ein Interview gegeben und dabei unterstrichen, dass jede Quelle unter unter allen Umständen geschützt werde. Auch die die Herkunft der E-Mails von Hillary Clintons Chefstrategen John Podesta würde auch in Zukunft nicht preisgegeben werden. Das Interview brachte Wikileaks und Assange unter anderem auch Zuspruch und Sympathie von Donald Trump ein, der 2010 noch die Todesstrafe für den Aktivisten forderte. Die seltsame Allianz zwischen dem Whistleblower und dem President Elect lässt einige Aussagen über die Hintergründe der geleakten Informationen zu.

Jetzt WIRED Member werden und mit uns in die Zukunft starten!

Mit im Paket: 4 Magazin-Ausgaben im Jahr und der Member-Zugang zu exklusiven Inhalten auf WIRED.de sowie weitere Vorteile nur für Member.

Member werden