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Fall Reality Winner: WikiLeaks setzt ein Kopfgeld auf Reporter aus

WIRED Staff 08.06.2017

WikiLeaks hat auf Geheiß von Julian Assange ein Kopfgeld von 10.000 Dollar für die Identität des Reporters ausgesetzt, der die Whistleblowerin Reality Winner an die Behörden verraten hat. Sie ist die mutmaßliche Quelle eines geheimen Berichts der NSA, laut dem der russische Geheimdienst GRU die US-Präsidentschaftswahlen digital attackiert hat.

Assange hat das klare Ziel, dass der Journalist, der Winner in seinen Augen verraten hat, seinen Job verliert. Nach Meinung vieler Beobachter hat das Nachrichtenportal The Intercept, dass den NSA-Bericht veröffentlichte, in Sachen Quellenschutz massiv geschlampt – ein Problem nicht nur für die verhaftete Whistleblowerin, sondern auch für mögliche weitere Informanten.

Die geleakten Dokumente zeigten nicht nur mögliche Verbindungen und Methoden des russischen Geheimdienstes beim Versuch, die Wahlen in Amerika zu manipulieren, sondern boten auch einen Einblick in den Stand des Wissens der NSA. The Intercept hatte den Leak allerdings nicht nur für einen Artikel verwendet, sondern auch direkt bei den Behörden um Stellungnahme gebeten. Diese hatten den Drucker, mit dem die Originaldokumente ausgedruckt wurden, dank der digitalen Punktsignatur erkannt und so ihre Sicherheitslücke ausmachen können.

Wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung kommentiert, ist es unwahrscheinlich, dass einem renommierten Medium wie The Intercept ein derartiger Fehler unterläuft. Allerdings ist einem der vier Autoren des Intercept-Artikels, Mathew Cole, bereits 2007 ein ähnliches Missgeschick passiert: Er hatte mit einem CIA-Mitarbeiter über die Folter von Gefangenen geredet, der daraufhin verhaftet wurde und Coles Fahrlässigkeit in Sachen Quellenschutz dafür die Schuld gab.

Julian Assange hat nun medienwirksam ein Kopfgeld ausgesetzt, dürfte aber mit WikiLeaks ohnehin von der Sache profitieren: An The Intercept dürften sich mögliche Whistleblower zumindest in Zukunft eher seltener wenden, wenn sie mit geheimen Skandaldokumenten an die Öffentlichkeit gehen wollen. Eine neue Alternative zu WikiLeaks tut sich zumindest in den USA derzeit allerdings ebenfalls auf: Dokumentarfilmer Michael Moore hat TrumpiLeaks eingerichtet, wo Whistleblower Dokumente gegen Trump hochladen können. Ob dieses Projekt ein Erfolg wird, werden die kommenden Monate zeigen müssen.

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