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Wieso eine KI Fleischklumpen statt nackter Menschen malt

Michael Förtsch 03.04.2018 Lesezeit 3 Min

Der Schüler Robbie Barrat hat eine Künstliche Intelligenz lernen lassen, klassische Aktgemälde zu generieren. Aber statt nackter Menschen zeigen ihre Bilder schauderhafte Fleischklumpen. Die Landschaftsgemälde des artifiziellen Verstandes sind hingegen überzeugender.

Bereits vor zwei Jahren hat die App Prisma anschaulich gezeigt, dass Künstliche Intelligenzen auf dem besten Weg sein könnten, echte Kunst zu schaffen. Denn hinter Prisma steht eine KI, die einfache Fotos im Stile bekannter Maler wie Van Gogh aufbereitet. Der Amerikaner Robbie Barrat geht jedoch noch einen ganzen Schritt weiter. Auf Twitter veröffentlicht er derzeit bizarre Gemälde, die so unheimlich wie auch faszinierend erscheinen. Denn der 18jährige aus West Virginia, der gerade erst seinen Highschool-Abschluss erworben hat, lässt eine Künstliche Intelligenz klassische Aktgemälde generieren.

Statt nackter Frauen und Männer in vornehmen Posen zeigen die Bilder von Robbie Barrat aber fleischige Haufen, die auf gemusterten Böden liegen. Stellenweise sind Brustansätze, Tentakel als Arme, ein Fleischauswuchs als Kopf oder auch einmal mehrere Beine auszumachen. Nichtsdestotrotz sind diese Gemälde als surreale Kunstwerke durchaus überzeugend und lassen die Intention des artifiziellen Malers erkennen. Dabei handelt es sich um ein GAN – Generative Adversarial Networks –, das zu Beginn mit Tausenden von Portraits aus der Datenbank von WikiArt gefüttert wurde und einen unüberwachten Lernprozess durchlief. „Es sind zwei Neuronale Netze, ein Generator und ein Diskriminator“, sagt Robbie Barrat gegenüber WIRED Germany. „Das eine Netz versucht Bilder zu erschaffen, die das andere Netz täuschen können. Das zweite Netz versucht zu lernen, diese Fälschungen von echten Portraits zu unterscheiden.“

Durch die Konkurrenz der GAN-Netze soll eine stetige Evolution der Fähigkeiten gewährleistet sein. „Sie versuchen eigentlich, sich ständig zu herauszufordern“, sagt Barrat. „Was dann passiert ist: Der Generator kam an einen Punkt, an dem er den Diskriminator täuschen konnte, in dem er einfach Fleischhaufen zeichnet. Das Netz konnte einfach keinen Unterschied zwischen Mensch und Blob ausmachen. Beide hörten daher auf, zu lernen.“ Bei einem Parallelprojekt, das der 18jährige betreibt, ist das bisher nicht der Fall. Hier versucht eine die Künstliche Intelligenz, Landschafts- und Naturgemälde zu zeichnen. „Das GAN ist dabei sehr erfolgreich“, sagt Barrat. „Weder der Diskriminator noch der Generator haben einen Vorteil.“ Als Resultat werden diese Bilder stetig überzeugender, wenn auch nicht gänzlich wirklichkeitsnah.

„Ich finde die Überschneidung von Kunst und Künstlicher Intelligenz ziemlich faszinierend“, sagt Barrat. „Ich glaube, dass KI-geschaffene Kunst in Zukunft eine echte Bewegung werden könnte.“ Das gälte nicht nur für Malerei, sondern auch andere Bereiche. Zuvor hatte Robbie Barrat einer Künstlichen Intelligenz bereits beigebracht, von Kanye West inspirierte Rap-Songs und Klavierstücke auf Basis der Werke von Johann Sebastian Bach zu schreiben. Das hatte Barrat unter anderem ein Praktikum in der KI-Abteilung des Grafikkarten-Unternehmens Nvidia eingebracht. Demnächst will er nun eine Stelle im KI-Forschungslabor der Stanford University antreten.