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Prognosen von vor einem Jahr im Reality-Check

Frank Schmiechen, Gründerszene 27.12.2016

Anfang des Jahres hat sich der Kollege aus dem Gründerszene-Team an eine Vorhersage der wichtigsten Tech-Trends gewagt: Virtual Reality, Messenger, Drohnen. Heute kommt der Tag der Abrechnung, den wir von WIRED euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

Anfang des Jahres habe ich, der Gründerszene-Chefredakteur, alle journalistische Vorsicht in den Wind geschrieben und mich an eine Jahresprognose gemacht. Viereinhalb valide Vorhersagen waren es. „Valide“ übrigens nur, weil ich eine ironische Alliteration in der Überschrift haben wollte. Hüstel.

Jetzt ist es Zeit, angstfrei und selbstbewusst zu überprüfen, welche meiner Prognosen tatsächlich eingetroffen sind. Sagen wir es gleich vorweg: Ich habe die Tendenzen durchaus identifiziert, aber die Geschwindigkeit des technischen Wandels überschätzt. Da steckte vielleicht auch eine Portion Wunschdenken dahinter. Aber jetzt mal in die Einzelheiten. Bin ich ein Seher oder Träumer gewesen?

Prognose 1: Virtual Reality wird zum Mainstream
Okay. Die Playstation hat mit dem neuen Virtual-Reality-System aus Brille und Kameras Einzug in viele Wohnzimmer gehalten. In den großen Elektrosupermärkten gibt es Regale mit unterschiedlichsten Brillen. Trotzdem muss ich selbstkritisch anmerken, dass ich davon ausgegangen bin, dass es noch schneller und breitflächiger geht mit der Verbreitung von VR. Immerhin ein halber Seher-Punkt.

Prognose 2: In diesem Jahr werden zum ersten Mal Drohnen kommerziell eingesetzt
Tja, da müssen auch meine schärfsten Kritiker eingestehen, dass ich damit ganz knapp richtig lag. Denn im Dezember dieses Jahres setzte Amazon zum ersten Mal eine Lieferdrohne in Großbritannien ein. Da geht natürlich noch mehr. Aber trotzdem. Ächz. Das war knapp. Ein Punkt für den Seher.

Prognose 3: In diesem Jahr werden viele Aufgaben mit dem Facebook-Messenger erledigt
Statt dutzende Apps zu nutzen, werden wir viele Aufgaben aus dem Messenger heraus erledigen können: einkaufen, Geld überweisen und unser Business erledigen. So die Annahme Anfang 2016. Nein. Nope. Nada. Werden wir nicht. Warum eigentlich nicht? Was ist da los bei Facebook? Ich muss da mal anrufen. Kein Punkt.

Prognose 4: In diesem Jahr werden Zahlungen per Messenger zum Mainstream
Nein, wurden sie nicht. Und an Ladenkassen bezahlen auch nur die wenigsten mit Smartphone. Wie kommt man denn darauf? Wir haben gelernt, dass die Deutschen keinen Spaß verstehen, wenn es um das Geld geht. Nur Bares ist Wahres. Jaja. Verstanden. Kein Punkt. Setzen!

Und dann waren da noch zwei Randprognosen. Für mich war völlig klar, dass das Album des Jahres wahrscheinlich schon erschienen war:

„David Bowie hat die Weisheit und Abgeklärtheit des Alters genutzt, um sein bisher bestes Album abzuliefern. ‚Blackstar‘ ist ein böse funkelnder Stern, der wie ein unentschlüsselbarer Solitär in der Musiklandschaft steht. Der Altmeister lässt die gesamte Konkurrenz beliebig und alt aussehen.“

Ein paar Tage später ist Bowie leider von uns gegangen. Sein letztes Album ist mindestens das Album des Jahres geblieben. Ein Musik-Punkt. 

Geradezu unheimlich ist meine letzte Vorhersage:
„Bereits jetzt ist klar, 2016 wird kein leichtes Jahr. Die Vorgänge in der Kölner Silvesternacht werden durch digitale Medien und Netzwerke in Tausende Splitter zerlegt – und da ist niemand, der für uns als Nachrichtenkonsumenten aus diesen Einzelteilen ein Ganzes formt. Ist auch besser so, denn das große Ganze ist meistens das große Falsche. Vieles bleibt in digitalen Zeiten dem Nutzer überlassen. Doch der ist oft noch überfordert mit der neuen Freiheit.“

Ein Punkt. Mindestens. Kein Kommentar.

Dreieinhalb Punkte von sechs möglichen. Kein Gandalf-Niveau, aber immerhin. 

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene.
Das Original lest ihr hier.

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